25/07/2000
09:42 Uhr
Stadtwerke wehren sich gegen Attacken der Verbundunternehmen
Die ostdeutschen Landesgruppen des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU)
sehen die gerade erst angelaufene Förderung für die umweltfreundliche
Kraft-Wärme-Kopplung und den langfristigen Ausbau gefährdet.
Hintergrund seien neuerliche Attacken der durch ihre Fusionen erstarkten
Energieriesen E.on und RWE gegen die beabsichtigte Förderung. Nach
Plänen der Bundesregierung solle der KWK-Anteil an der deutschen Stromerzeugung
bis zum Jahr 2010 auf 25 % ausgebaut werden.
Die ostdeutschen VKU-Landesgruppen begrüßen die Absicht der
Bundesregierung als notwendigen Schritt zur Sicherung des Wettbewerbs und
zur Erhaltung einer ressourcenschonenden Strom- und Wärmeerzeugung.
Für die Stadtwerke seien die dezentralen Erzeugungskapazitäten
ein bedeutendes Standbein im Wettbewerb, um beim Strombezug nicht vollkommen
in die Abhängigkeit der Verbundunternehmen zu geraten, die durch ihre
Fusionen nunmehr eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen drohen. Die
neu entstandenen Energiekonzerne E.on und RWE kontrollierten bereits über
77 % der Stromabgabe in Deutschland, während die kommunalen KWK-Anlagen
gerade 7 % bei der Stromabgabe und einen etwa gleich hohen Anteil bei der
Wärmeversorgung abdeckten. Der VKU sieht in dem Vorstoß der
beiden Verbundunternehmen einen durchsichtigen Versuch, um unliebsame Konkurrenten
in ihre Abhängigkeit zu bringen.
Die enormen Überkapazitäten in der Stromerzeugung, die E.on
und RWE gegen die KWK-Förderung anführen, stellten nach VKU-Angaben
ein direktes Problem der Verbundunternehmen dar. Die Kapazitäten der
dezentralen KWK-Anlagen seien hingegen mit den spezifischen Bedürfnissen
der Gemeinden gewachsen und auf deren Strom- und Fernwärmebedarf abgestimmt.
Die Überkapazitäten in Deutschland und Europa führten jedoch
zu Dumpingpreisen beim Strom, wodurch die aufeinander abgestimmte Parallelerzeugung
von Strom und Wärme in KWK-Anlagen gefährdet werde.
Der Strompreisverfall führe so zu einer Gefährdung der wohl
wichtigsten ökologischen Zukunftsoption für eine rationelle Energieverwendung.
Im Vergleich zur getrennten Erzeugung von Strom und Wärme lasse sich
durch KWK eine Primärenergieeinsparung von bis zu 30 % erreichen.
Kein zweiter Prozess weise eine so hohe Energieeffizienz auf.
Mit dem Ausstieg aus der Atomenergie würden absehbar nicht nur
die beklagten Überkapazitäten abgebaut, sondern auch Ersatzkapazitäten
erforderlich. Der Ausbau des KWK-Anteils sei deshalb und auch unter dem
Aspekt der Kyoto-Verpflichtungen logischer Folgeschritt des geplanten Atomausstiegs.
Die KWK-Technologie bedürfe deshalb in liberalisierten Märkten
und bei gleichzeitiger Einhaltung ökologischer Ziele besonderer Rahmenbedingungen,
die auch schon in der Vergangenheit durch Kommunen, Länder und der
Bund gemeinsam verfolgt wurden, so der VKU weiter. Der von der Bundesregierung
angestrebte langfristige Erhalt und Ausbau der KWK stelle eine wegweisende
Entscheidung für den Einstieg in eine effiziente und zukunftsorientierte
Energiewirtschaft dar. Hierbei sei der Erhalt und der Ausbau der KWK gerade
für die neuen Bundesländer von besonderer Bedeutung, weil dort
über 30 % der Wohnungen mit der umweltfreundlichen Fernwärme
beheizt würden. Die ostdeutschen VKU-Landesgruppen appellierten deshalb
nachdrücklich an die Bundesregierung, den eingeschlagenen Kurs beizubehalten.
IWR/Stromtarife.de
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