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02.05.2002
08:01 Uhr

Braunschweiger Versorgungs-AG für 550 Mio Euro an amerikanischen Energieversorger TXU

Braunschweig - Im Bieterverfahren um eine Beteiligung an der Braunschweiger Versorgungs-AG (BVAG) soll die TXU Europe Energy Trading (Deutschland) GmbH, Kiel, eine Tochter des US-amerikanischen Energiekonzern TXU mit Sitz in Dallas den Zuschlag für den Erwerb von 74,9% der Aktien erhalten.

Einen entsprechenden Beschlussvorschlag wird die Stadtverwaltung voraussichtlich für die Ratssitzung am 14. Mai 2002 einbringen. Die TXU will zum 1. Juli 2002 74,9% der Aktien an der BVAG von der städtischen Holdinggesellschaft Stadtwerke Braunschweig GmbH zu erwerben. Parallel hierzu wird TXU bestimmte im nicht-betriebsnotwendigen Vermögen der BVAG gehaltene Beteiligungen (z.B. an der E.ON AG) aus der Gesellschaft herauskaufen. Der Erlös beträgt insgesamt EUR 420 Mio; das Gesamtpaket inklusive einer Put-Option für die übrigen 25,1 Prozent hat ein Volumen von rund 550 Mio. EUR (oder rund 1,075 Mrd. DM) bezogen auf 100 Prozent. Die TXU fördert sportliche und kulturelle Ereignisse in Braunschweig für einen Zeitraum von fünf Jahren mit einem Betrag in Höhe von jährlich EUR 1 Mio.

Die TXU-Angebot sieht innerhalb der Gesamtgruppe den Ausbau der BVAG zum deutschlandweiten Kompetenzzentrum für die Bereiche Key-Account-Management und Betreuung von Bündelkunden vor. Dies beinhaltet die Übernahme der Verantwortung für die Produktentwicklung für den Großkundenbereich im gesamten deutschen Markt sowie die überregionale Vermarktung von Netzdienstleistungen und das Asset-Management. Vorgesehen ist ferner die gemeinsame Entwicklung eines Stirling-Motors, von denen bis zu 50 im Rahmen des Braunschweiger Projektes "Hochtechnologiestadt" errichtet werden sollen.

"Ich verspreche mir von unserem neuen, weltweit agierenden Partner insbesondere die konsequente Weiterentwicklung der BVAG zu einem überregional tätigen Multi-Utility-Unternehmen. Mit dem Abschluss der Verträge, die mit TXU ausgehandelt wurden, erreichen wir alle unsere Ziele, wie die Sicherung der Auftragsvergabe an das lokale Handwerk, den Erhalt der BVAG als eigenständiges Multi-Utility-Unternehmen mit Sitz in Braunschweig oder den fortgesetzten Einsatz umweltschonender Technologien. All dies hat TXU uns vertraglich zugesichert", bewertet Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann die Beschlussvorlage. Darüber hinaus hat die Stadt auch für die bei ihr verbleibenden Anteile Vorsorge getroffen: Bis zum 1.1.2006 kann sie die restlichen 25,1% jederzeit zum gleichen Preis an TXU veräußern. Über eine besondere steuerliche Konstruktion gesichert ist überdies die (derzeit noch mögliche) Nutzung des steuerlichen Querverbunds über die Verrechnung der Versorgungs-Gewinne mit den Verlusten aus dem Öffentlichen Personen-Nahverkehr.

Ein weiteres Hauptziel der Privatisierung, die Wahrung der Arbeitnehmerinteressen, wurde durch den Abschluss einer Betriebsvereinbarung für die BVAG umgesetzt. Diese wurde gemeinsam mit allen beteiligten Interessengruppen erarbeitet und sichert langfristig die Rechts- und Besitzstände aller ca. 800 von der Privatisierung betroffenen Arbeitnehmer.

Der Auswahl vorausgegangen war ein ca. fünfmonatiges internationales Bieterverfahren, das von dem spezialisierten Beratungsunternehmen KPMG Corporate Finance durchgeführt wurde. In mehreren Stufen wurde der Kreis der ursprünglich vierzehn Interessenten sukzessive reduziert und in der letzte Phase der Vertragsverhandlungen auf drei Bieter begrenzt.

Zur BVAG
Die BVAG versorgt Bürger, Gewerbe und Industrie (insbesondere) im Stadtgebiet Braunschweig mit Strom, Gas, Wärme und Wasser und bietet darüber hinaus zahlreiche energienahe Dienstleistungen an. Im Jahr 2001 erzielte die Gesellschaft Umsatzerlöse in Höhe von rund EUR 265 Mio. und ein Ergebnis von ca. EUR 37 Mio.

Zur TXU
Mit einem Umsatz von 28 Milliarden Dollar in 2002 und ca. 11 Millionen Kunden - vor allem in den USA, Europa und Australien - ist TXU das neungrößte Energieerzeuger weltweit. Neben der Energieerzeugung ist TXU in erster Linie im Endkundengeschäft mit der Verteilung von Strom, Gas und Wasser sowie der Erbringung von Telekommunikationsdienstleistungen tätig. In den Vereinigten Staaten ist TXU im Energiegeschäft führend. Das Europageschäft wird von den Standorten London und Genf aus gelenkt, an denen auch der weltweite Energieeinkauf angesiedelt ist. In europäischen Heimatmarkt Großbritannien ist TXU mittlerweile der größte Stromversorger. Von dort aus hat das Unternehmen nach Finnland, Schweden, Spanien, Italien, Holland und die Schweiz expandiert - in Deutschland ist TXU seit 2000 mit 51% an den Stadtwerken Kiel beteiligt. Der Berliner Stromanbieter Ares wurde zu 100% übernommen.


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