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13.04.2012, 13:36 Uhr Weil Investoren fehlen: Atomenergie soll in Europa subventioniert werdenMünster – Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wird es offensichtlich immer schwieriger, neue Atomkraftwerke in Europa zu bauen. Großbritannien, Frankreich, Polen und Tschechien planen neue Atommeiler und wollen nun, dass die EU die Nukleartechnik genauso als "emissionsarm" einstuft wie erneuerbare Energien, heißt es in einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Auf dieser Grundlage soll mittelfristig sowohl der Bau von Kernkraftwerken als auch der Verkauf von Atomstrom subventioniert werden. Das geht aus Schreiben der vier Regierungen hervor, welche diese für eine Konferenz der europäischen Wirtschafts- und Energieminister in der kommenden Woche nach Brüssel geschickt haben, berichtete die SZ. Nach den Forderungen dieser Länder sollen Atomkraftwerke künftig wie Solaranlagen oder Windkraftanlagen als emissionsarme Technologien eingestuft und dementsprechend gefördert werden dürfen.
Schwierige Finanzierung: Investoren fehlen für den Bau neuer Atomkraftwerke Der Bau neuer Atomkraftwerke ist aufwendig und sehr teuer. Um bis 2025 die in Großbritannien geplanten Kernkraftwerkskapazitäten von 6.000 MW zu bauen, werden nach reinen Schätzungen mindestens 17 Milliarden Pfund (rd. 21 Milliarden Euro) benötigt. RWE npower und E.ON UK haben jüngst bekannt gegeben, keine neuen Atomkraftwerke in Großbritannien zu bauen. Das zu diesem Zweck gegründete Unternehmen Horizon Nuclear Power soll verkauft werden. Damit droht aber derzeit das gesamte Kernkraft-Projekt der britischen Regierung zu scheitern. Derzeit stehen nur noch die französische EDF Energy und der britische Energieversorger Centrica mit ihrem Joint Venture Unternehmen zu den Plänen. Neben den hohen Investitionskosten besteht auch ein erhebliches Wirtschaftsrisiko bei der Refinanzierung, denn es gibt keinen garantierten Strompreis für den Strom aus Kernkraftanlagen. Der Subventions-Vorstoß der vier Staaten bei der EU ist daher als Versuch anzusehen, das erhebliche Wirtschaftsrisiko potentieller Investoren zu vermindern und die finanziellen Risiken auf den Stromverbraucher bzw. den Steuerzahler zu verlagern.
Hohes Atomrisiko: Ratingagenturen drohen mit Herabstufung der KreditwürdigkeitDie Ratingagenturen haben nach einem Bericht des Handelsblatts bereits Stromversorgern gedroht, dass bei weiteren nuklearen Risiken eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit droht. Auch deshalb haben RWE und E.ON offensichtlich ihre Pläne zum Bau von Kernkraftanlagen in Großbritannien aufgegeben, da sie sich einen Bonitätsverlust nicht leisten können. Eine Herabstufung durch die Ratingagenturen könnte in Zukunft nicht nur den Industrieunternehmen oder Energieversorgern drohen, sondern auch ganzen Ländern mit Atomkraftwerken. Wenn – wie jetzt nach dem Reaktorunfall von Fukushima sichtbar – auf den japanischen Staat hohe Kosten zukommen, dann könnte im Zuge einer Neueinschätzung des Risikopotenzials der Kernenergie auch die Kreditwürdigkeit von Staaten vor einer Neubewertung stehen, mit entsprechenden Folgen für die Staatsanleihen.
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