versorger_

Im Brennpunkt


Verkauf der E.ON-Anteile an der BEWAG

IWR-Meldungen zum aktuellen Brennpunktthema, die laufend ergänzt werden: 

20.09.2000

Bewag-Übernahme: Senat gegen HEW-Vorschlag
Nach einer Meldung der Berliner Zeitung vom Montag zeichnet sich im Streit um die Führungsrolle bei dem Berliner Stromversorger Bewag keine schnelle Einigung ab. Ein Lösungsvorschlag der Hamburgische Electricitätswerke AG (HEW), die die Bewag übernehmen wolle, bezeichnete ein Sprecher des Berliner Wirtschaftssenats am Montag als "kein attraktives Angebot". Der Senat verhindere derzeit den Verkauf von Bewag-Anteilen per einstweiliger Gerichtsverfügung. Die HEW habe daher angeboten, das Land Berlin könne bei der Bewag künftig drei Mandate im Aufsichtsrat besetzen. HEW/Bewag solle danach gemeinsam die ostdeutsche Veag übernehmen, an der die Bewag 60 Prozent und HEW 40 Prozent halten sollten.

Nach dem Modell der HEW, das der Senatssprecher nach BZ-Angaben bestätigte, hätte der Senat zusammen mit den Arbeitnehmervertretern im 20-köpfigen Aufsichtsrat einen starken Einfluss auf die Bewag. Auch der bisherige Bewag-Hauptanteilseigner Southern Energy, der sich ebenfalls gegen die Bewag-Übernahme durch die HEW wehrt, sollte nach dem Vorschlag als Minderheitseigner in einer späteren Holding weiter Rechte an Kraftwerken halten, teilte die BZ weiter mit. Ein HEW-Sprecher wird mit der Aussage zitiert: "Wir haben konstruktive Vorschläge gemacht, über die wir mit dem Senat im Gespräch sind." Der Sprecher des Berliner Wirtschaftssenats habe ohne Einzelheiten zu nennen, gesagt, das Angebot "sei nicht ausreichend". Im Finanzsenat habe es geheißen, man werde weiter darauf drängen, dass die Bewag in einem künftigen Konzern "unternehmerisch aktiv" sein könne.

08.09.2000

Bieterverfahren für Veag eröffnet
Presseberichten zufolge ist das Bieterverfahren um die Veag AG, Berlin, eröffnet. Aufgrund von Auflagen der Kartellbehörde werden 75 % der VEAG-Anteile der E.ON AG, Düsseldorf, und der RWE AG, Essen, verkauft. Die Investment-Bank Schroder Salomon Smith Barney wurde mit dem Verkauf beauftragt und hat zwölf Investoren zur Angebotsabgabe aufgefordert.

25.08.2000 Bewag fordert sachgerechte Lösung für Energiewirtschaft im Osten Deutschlands
Stellungnahme des Vorstandsvorsitzenden der Bewag, Prof. Dr. Dietmar Winje, zur Entscheidung des Landgerichts Berlin:
"1. In der Frage des Verkaufs der Bewag-Anteile haben wir immer eine wettbewerbsfördende Sachlösung angestrebt, die die Interessen des Landes Berlin, unserer Kunden, unserer Mitarbeiter und aller Anteilseigner berücksichtigt. Diese Lösung sollte marktwirtschaftlich orientiert sein und die Bildung einer ¨Neuen Kraft¨ in der Energiewirtschaft im Osten Deutschlands ermöglichen. Die Wettbewerbsintensität des Strommarktes in Deutschland hängt wesentlich davon ab, ob auch die Kunden in Berlin und im Osten Deutschlands von einem ernstzunehmenden und integrierten Unternehmen vor Ort beliefert werden können. Alles andere, zum Beispiel die Reduzierung auf reine Verteilerfunktionen ohne eigenständige Stromproduktion und eigenen Marktzugang hätte schwerwiegende Folgen für die beteiligten Unternehmen, die wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung in diesen Regionen. Die Bewag hat deshalb bereits vor Monaten eine Strategie entwickelt, im Osten Deutschlands unter Einbeziehung von VEAG, Laubag sowie gegebenenfalls Mibrag und Envia einen großen, wettbewerbsfähigen und zukunftsorientierten Energie-Dienstleister aufzubauen, ein Unternehmen von europäischem Format, mit der notwendigen Finanzkraft und großer internationaler Perspektive. Daran halten wir fest. Nur hohe Wettbewerbsfähigkeit und der Zugang zu den Märkten schützt dauerhaft vor weiterem Arbeitsplatzabbau in Berlin und in den neuen Bundesländern. Wir wollen keine verlängerte Werkbank in Berlin und im Osten Deutschlands, sondern eine ostdeutsche ¨Neue Kraft¨ mit Primärenergiegewinnung, Erzeugung, Transport, Handel und Vertrieb - also ein Unternehmen mit allen Wertschöpfungsstufen. Wir wollen in einem leistungsfähigen Unternehmen mit eigenem und freiem Zugang zu den Märkten Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen.

Zum Nutzen unserer Kunden verbindet unser Konzept Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit. Die Bewag besitzt umweltpolitisch bereits jetzt eine Spitzenposition, da wir in großem Umfang auf Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) setzen. Die ostdeutschen VEAG-Kraftwerke gehören zu den modernsten und saubersten der Welt. Gemeinsam können wir die Qualität, die Wirtschaftlichkeit und die Innovationsstärke an unsere Kunden weitergeben. Unser Konzept ist die richtige Antwort auf Forderungen nach mehr Wettbewerb im Energiemarkt. Wir stärken die Wirtschaftskraft von Berlin und den neuen Bundesländern, wir legen keine umweltfreundlichen KWK-Kraftwerke still, wir schaffen interessante und zukunftsorientierte Arbeitsplätze. Wir fördern zukunftsorientierte Neuansiedlungen und werten den Berliner und ostdeutschen Energiemarkt nicht zu einem reinen Absatzmarkt ab. Unser Integrationskonzept ist die beste Möglichkeit für eine notwendige, unabhängige neue Kraft im Osten Deutschlands.

2. Wir benötigen eine schnelle Lösung. Schon im Interesse unserer Kunden, Mitarbeiter und Anteilseigner dürfen wir keine Zeit verlieren. Schließlich steht auch die Lösung des VEAG-Problems unter einem nicht unerheblichen Zeitdruck. Jetzt sollten alle an der Weiterentwicklung der ostdeutschen Energiewirtschaft interessierten Unternehmen an den Verhandlungstisch, um eine Lösung zu erarbeiten und die Neue Kraft¨ zu formen. Der Vorstand der Bewag wird alles daran setzen, um zu einer zukunftsorientierten Lösung zu kommen."

24.08.2000

Weiterhin Schwebezustand bei BEWAG
In der heutigen mündlichen Verhandlung hat das Landgericht Berlin die einstweilige Verfügung auf Antrag des Landes Berlin gegen E.ON Energie bestätigt. Dies teilte E.ON heute mit. Damit bleibe der Schwebezustand bestehen. Dies könne weder im Interesse des Landes Berlin noch der BEWAG sein. Unabhängig vom heutigen Verhandlungsgegenstand gehe es um mehr als um die Auslegung eines Vertrages. Es gehe nicht nur um BEWAG, sondern vor allem um die Zukunft der ostdeutschen Stromversorgung, insbesondere um den Erhalt der Arbeitsplätze in der Braunkohle. BEWAG und Southern hätten ihr Ziel erst erreicht, wenn sie bei VEAG und LAUBAG zum Zuge kommen sollten. E.ON Energie werde jetzt die Gründe für die Entscheidung des Gerichts analysieren und behalte sich weitere gerichtliche Schritte vor. Das Gesprächsangebot gegenüber dem Senat halte E.ON Energie nach wie vor aufrecht, denn letztlich sei eine sachliche, wirtschaftliche Lösung aufgrund der komplexen Problematik nicht durch Gerichte herbeizuführen.

11:53 Uhr
Neues Konzept für ostdeutsche Stromwirtschaft
Der US-Energiekonzern Southern Energy und das Berliner Energieunternehmen Bewag haben nach Informationen der WELT ein neues Konzept für die Neuordnung der ostdeutschen Stromwirtschaft vorgelegt. «Im Mittelpunkt steht ein unabhängiger ostdeutscher Energieverbund aus Bewag, Southern Energy, VEAG und Laubag», sagte der Europa-Chef von Southern Energy und Aufsichtsratsvorsitzende der Bewag, Barney Rush, am Mittwochabend in Leipzig. Mit der Kombination der Kräfte könne ein schlagkräftiger, unabhängiger Wettbewerber auf dem deutschen Strommarkt gebildet werden, der im europäischen Feld mitspielen könne, sagte Rush. Auch der Braunkohlekonzern Mibrag könnte eingebunden werden. Eine von der VEAG bevorzugte «große Lösung» lehnte Rush ab. Das seien zu viele Anteilseigner. «Es muss eine klare Führerschaft geben», betonte Rush. Eine «große Lösung» würde eine Holding aus HEW, VEAG, Bewag, den Braunkohleunternehmen Laubag und Mibrag sowie dem Regionalversorger envia umfassen. Dazu kämen als Großaktionäre der schwedische Konzern Vattenfall und Southern Energy. Rush sicherte die Beibehaltung der Braunkohleverstromung in Ostdeutschland, die Erhaltung von Arbeitsplätzen in der Branche und die Stärkung der Strombörse in Leipzig zu, so die WELT weiter. «Wir haben von Anfang an verbindlich zugesagt, die für die Stabilisierung der VEAG erforderlichen 50 Terawatt Stunden pro Jahr zu realisieren», sagte Rush. Das Konzept basiere auf einer soliden finanziellen Grundlage. Im Zusammenhang mit der Fusion der Energieriesen VEBA und VIAG zu E.ON hatte das Kartellamt verfügt, dass sie ihre Anteile an der VEAG abgeben müssen, so die WELT weiter. Der Vorstandsvorsitzende der Bewag, Dietmar Winje, habe eine rasche Entscheidung über die Zukunft der ostdeutschen Stromwirtschaft gefordert. Zur Zusammenarbeit mit dem US-Konzern, der 26 Prozent an der Bewag hält, sieht er keine bessere Alternative. Im Kampf um die VEAG hatten nach WELT-Angaben am Mittwoch die Hamburgischen Elektricitätswerke (HEW) und der hinter ihr stehende schwedische Stromkonzern Vattenfall Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) ihr Konzept vorgestellt. Es sehe den Aufbau eines Energiekonzerns aus HEW, VEAG, Laubag und Mibrag vor. Einbezogen werden solle auch die Berliner Bewag, bei der HEW die Mehrheit übernehmen will.

21.08.2000 17:43 Uhr
E.ON Energie begrüßt Gesprächsbereitschaft der Southern Energy
E.ON Energie begrüßt das heute bekannt gewordene Gesprächsangebot von Southern Energy. Von Seiten E.ON Energie bestehe seit langem ein permanentes Gesprächsangebot an SEI, so E.ON. Wie der Vorstandsvorsitzende von E.ON Energie, Dr. Hans-Dieter Harig, betonte, habe er dieses zuletzt in einem persönlichen Gespräch mit Barney Rush, AR-Vorsitzender der BEWAG, vor einer Woche erneuert. Zum Mittel der gerichtlichen Auseinandersetzung habe SEI und nicht E.ON Energie gegriffen. E.ON Energie habe auch nie versucht, ihren Geschäftspartner SEI aus der BEWAG-Beteiligung herauszudrängen. (iwr)
18.08.2000 09:04 Uhr
E.ON Energie legt gegen einstweilige Verfügung von Southern Energy Widerspruch ein
E.ON Energie sieht die einstweilige Verfügung von Southern Energy im Zusammenhang mit der geplanten Abgabe der E.ON Energie-Beteiligung an der BEWAG sehr gelassen. Das amerikanische Unternehmen hatte eine einstweilige Verfügung gegen den in der vergangenen Woche von E.ON Energie unterzeichneten Vertrag erwirkt. Diese solle den Vollzug des Tauschvertrags mit den Hamburgischen Electricitäts-Werken (HEW) aufhalten. E.ON Energie werde unverzüglich Widerspruch gegen die Verfügung einlegen und habe keinen Zweifel daran, dass der Widerstand von Southern Energy gegen den Aktientausch erfolglos bleiben werde, teilte E.ON mit. Der Konsortialvertrag zwischen E.ON Energie und Southern Energy gestatte ausdrücklich jedem Partner, seine Anteile ohne Zustimmung des jeweils anderen Partners frei zu veräußern. Der Vorstandsvorsitzende von E.ON Energie, Dr. Hans-Dieter Harig, gab sich zuversichtlich, dass das gegenwärtige Verfahren keine Verzögerung bedeute, da der geplante Tauschvertrag ohnehin nicht vor dem Jahr 2001 vollzogen werden solle. Auch Southern Energy werde erkennen müssen, dass eine Kooperation mit HEW ein geeigneterer Weg zur unternehmerischen Entwicklung der BEWAG sei als eine Konfrontation auf gerichtlichem Wege. Gegenwärtig befänden sich E.ON Energie und HEW mit dem Land Berlin im Gespräch. Hierbei gehe es vor allem darum, den Senat davon zu überzeugen, dass HEW als Nachfolger von E.ON Energie im Vertragswerk mit dem Land Berlin die darin festgeschriebenen Verpflichtungen ebenso erfüllen könne. Harig wies darauf hin, dass unter den geänderten energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen HEW sogar eher in der Lage sei, dies zu leisten. Er bezog sich insbesondere auf die Möglichkeit eines gemeinsamen Erwerbs von VEAG/LAUBAG durch HEW und BEWAG sowie auf die damit verbundene Möglichkeit zum Aufbau einer starken vierten Kraft in der deutschen Energielandschaft. Hinsichtlich der von Seiten des Senats veröffentlichten Beurteilung des Spitzengesprächs zwischen E.ON, HEW und dem Berliner Finanzsenator äußerte Harig, dass er es sehr bedauern würde, wenn die Entscheidung um die Veräußerung der BEWAG-Anteile letztlich von Gerichten getroffen würde. Denn selbst wenn die rechtliche Position des Senats formal bestätigt würde, wäre dies mit Sicherheit nicht im Interesse der Bewag und des Landes Berlin, so E.ON weiter. (iwr)
16.08.2000

17:00 Uhr
EnBW kann als VEAG-Interessent nicht mehr ausgeschlossen werden
Mit dem angestrebten Verkauf der Bewag-Mehrheit an HEW hat sich eine neue Situation für die Zukunft der VEAG ergeben. Diese Meinung vertritt der EnBW Vorstand in einer am Mittwoch in Karlsruhe veröffentlichten Erklärung. Die EnBW könne als VEAG-Interessent nicht mehr ausgeschlossen werden. Der Vorstandsvorsitzende der EnBW, Gerhard Goll, erklärte dazu: "Wenn der Konzern Vattenfall-HEW-Bewag zustande kommt, ist das Ziel der Kartellbehörden, eine vierte Kraft in der Bundesrepublik zu etablieren, auch ohne Einbeziehung der VEAG erreicht. Die bisherige Position der Kartellbehörden, die EnBW aus dem Bewerberkreis um die VEAG auszuschließen, ist nicht mehr haltbar". Aus diesem Grunde werde die EnBW ihre Haltung zu einem möglichen VEAG-Erwerb und im Bundesland Sachsen neu überdenken, sagte Goll. Sollte ein von Vattenfall beherrschtes Konglomerat auch Envia erwerben, sei die in Ostsachsen agierende ESAG in ihrer Selbständigkeit akut gefährdet, da der Mitgesellschafter HEW natürlich dann bei der ESAG Envia-Interessen verfolgen, also die Entwicklung der ESAG zugunsten der Envia blockieren werde. Bisher war das Netzgebiet der EnBW Regional AG landesweit auf neun Regionalzentren aufgeteilt. Nach der jetzt beschlossenen Gebietsreform werden es zunächst noch sechs Regionalzentren sein. Um mögliche Synergieeffekte konsequent zu nutzen, werden zwei von ihnen im Auftrag der EnBW Regional AG von anderen Konzernunternehmen geleitet: "Unsere Position in dieser Angelegenheit ist so schlecht nicht", konstatiert Goll. "Immerhin sind wir Mitgesellschafter in der EBH, die ihrerseits Mitbestimmungsrechte bei VEAG hat, auf die sich - zumindest bisher - auch HEW berufen hat. Nachdem wir immer für die Ziele der Bundesregierung in Sachen VEAG eingetreten sind, wird sich auch diese nicht ohne weiteres gegen uns stellen können." In den nächsten Tagen und Wochen, so kündigt die EnBW an, werde sie ihre Interessen sehr sorgfältig mit der Bundesregierung, den Ländern Berlin und Sachsen und gegebenenfalls mit dem heutigen Mitgesellschafter der Bewag, Southern Energy, abstimmen. "Wer heute glaubt, alles sei bereits gelaufen, kann sich morgen schon sehr wundern müssen", prognostiziert Goll und stellt fest: "Erst am Ende des Tages wird zusammengezählt".

Schlacht um die BEWAG BERLIN
Der Sprecher der F.D.P.-Bundestagsfraktion für die neuen Länder, Jürgen TÜRK erklärt:
Der deutsche Energieriese e.on sorgte mit der Entscheidung, seine Bewag-Anteile an die Hamburger Electricitätswerke (HEW) zu verkaufen, für Aufruhr. Kein Wunder. Stellen sich doch viele Fragen: Warum ignorierte e.on das vertraglich fixierte Vorkaufsrecht von Southern Energy, das ebenfalls Anteile an der Bewag hält? Und warum hat e.on nicht das Einverständnis des Berliner Senats eingeholt, der laut Unternehmensvertrag dem Verkauf zustimmen muss? Darauf gibt es eigentlich nur eine Antwort: e.on fürchtet den US-Konzern Southern Energy, der auf dem internationalen Markt als knallharter Wettbewerber gilt, mehr als den schwedischen Konzern Vattenfall, dem die HEW gehören. Der Berliner Senat hat schnell reagiert und das Gericht angerufen. Jetzt gibt es eine einstweilige Verfügung, die den Verkauf stoppt. Ziel der nun laufenden Verhandlungen muss sein, dem besten Wettbewerber den Zuschlag zu geben. Einiges spricht dafür, dass dies Southern Energy ist, insbesondere aus der Perspektive von Berlin und den neuen Ländern: Im Gegensatz zu den Skandinaviern haben die Amerikaner in Europa keine eigenen Kraftwerke. Sie werden also mit Sicherheit vorhandene Kapazitäten übernehmen und ausbauen. Damit ist auch die Verstromung der ostdeutschen Braunkohle weiterhin gesichert. Wichtig ist, dass man jetzt schnell zu optimalen Lösungen kommt und sich nicht in endlosen Rechtsstreitigkeiten verzettelt. Das würden die notleidenden ostdeutschen Energiebetriebe Veag, Laubag, Mibrag und Envia, aus denen zusammen mit der Bewag ein leistungsfähiger ostdeutscher Energiekonzern geschmiedet werden soll, kaum verkraften.

14.08.2000 16:05 Uhr
E.ON kann Anteile an der Bewag vorerst nicht veräußern
Nach einem Bericht der Berliner Zeitung ist die Übernahme des Berliner Energieversorgers Bewag durch die Hamburger HEW vorläufig gestoppt worden. Heute habe die Berliner Finanzverwaltung mitgeteilt, dass das Landgericht Berlin in einer einstweiligen Verfügung der E.ON Energie AG untersagt habe, die Aktien ohne Zustimmung des Landes zu veräußern. E.ON habe sein Aktienpaket von 49 Prozent (52,2 Prozent der Simmnrechte) überraschend zum 1. Januar 2001 an den Hamburger Energieversorger HEW verkauft. Der Schritt sei beim Konsortialpartner Southern Energy und dem Land Berlin auf Widerstand gestoßen.

15:37 Uhr
WELT: Southern Company will HEW-Einstieg bei BEWAG verhindern
Der US-Konzern Southern Company will nach Informationen der WELT einen Einstieg der Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) bei der Berliner Bewag unter allen Umständen verhindern. "Wir werden das nicht hinnehmen", sagte Jason Harlan, der Deutschland-Geschäftsführer des amerikanischen Unternehmens, im Gespräch mit der WELT.

Southern sei an der Bewag mit 26 Prozent beteiligt. Nach Darstellung von Harlan ist mit dem Erwerb dieses Pakets vereinbart worden, dass Anteile an der Berliner Gesellschaft nur mit Zustimmung der Amerikaner veräußert werden dürfen. "Wir werden unsere Rechte mit allen Mitteln verteidigen", so der US-Manager. Beim Energiekonzern Eon, der 49 Prozent seiner Bewag-Anteile an die HEW abtreten wolle, werde das anders gesehen. Sprecherin Petra Uhlmann zur WELT: "Unsere Juristen haben das gründlich geprüft." Bei einem Verkauf des Bewag-Pakets würde es keine rechtlichen Hindernisse geben.

Vorbehalte gegen den Deal gibt es offenkundig auch beim Berliner Senat, der sich bei der Privatisierung der Bewag im September 1997 bestimmte Rechte vorbehalten hatte, so die WELT weiter. "Die Bewag muss ein wettbewerbsfähiger Energieproduzent bleiben und darf nicht zur Verkaufsagentur für auswärtigen Strom werden", hat Finanzsenator Peter Kurth (CDU) betont. HEW-Vorstandschef Manfred Timm setze noch auf eine gütliche Lösung mit den Amerikanern. "Ich hoffe, dass sich Southern kooperativ zeigt." Gemeinsam sei eine Übernahme von den ostdeutschen Energieunternehmen Veag, Laubag und Envia leichter zu bewältigen, so Timm.

13:27 Uhr
HEW bleibt in Hamburg 
Mit dem gelungenen Aktientausch sind die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) sehr zufrieden. Damit kommt der Hamburger Energieversorger seinem strategischen Ziel einen wesentlichen Schritt näher, mit dem Erwerb der VEAG die "Vierte Kraft" im deutschen Strommarkt zu werden. Dies teilte das Hamburger Unternehmen am Freitag mit. Ende des Jahres erwarte HEW die Entscheidung, ob dieser neue Konzern kommen werde. Solch ein Großkonzern habe üblicherweise viele Standorte für sein operatives Geschäft. Im geplanten Fall wären das Hamburg, Berlin, Senftenberg "Laubag" und Chemnitz "envia". Die Holding dieses neuen Konzerns würde mit Blick auf die geografischen Gegebenheiten voraussichtlich in der Hauptstadt angesiedelt sein. Die HEW würden mit dem gesamten bisherigen Umfang ihrer Wertschöpfung in Hamburg für Kunden und Partner bestehen bleiben. Mit diesen strategischen Plänen werde kein Arbeitsplatzabbau bei HEW in Hamburg verbunden sein. 

Der dramatische Wettbewerb im liberalisierten Strommarkt habe die Energiebranche schwer durchgeschüttelt, so HEW weiter. Der Wettbewerb werde künftig auf europäischer Ebene ausgetragen. Eine Folge seien die großen Fusionen in der letzten Zeit. Um im europäischen Wettbewerb zu bestehen, setze HEW eine entschlossene Überlebensstrategie um. Als "Vierte Kraft" werde HEW für diese gewaltigen Herausforderungen mit optimalem Kraftwerkspark und marktorientierten Strukturen bestens gerüstet sein.  (iwr)

10.08.2000 14:25 Uhr
Bewag verfolgt Unternehmensziele konsequent weiter
Die Bewag hat gestern von dem zwischen der E.ON Energie AG und der HEW Hamburgische Electricitätswerke AG geplanten Aktientausch von Bewag-Anteilen erfahren. Das Unternehmen ist in den Entscheidungs- und Genehmigungsprozess von Anteilsveränderungen nicht involviert. Dies teilte Reinhard Heitzmann, Sprecher des Berliner Unternehmens, soeben mit.

Der Vorstand der Bewag betont, dass das Unternehmen konsequent seine Ziele weiter verfolgen werde. Die Bewag solle als eigenständiger Energiedienstleister europäischer Dimension im Markt bestehen. Unabhängig von künftigen Anteilsstrukturen erfüllten Unternehmensleitung und Mitarbeiter weiter die an sie gestellten Erwartungen; die erfolgreiche Positionierung der Bewag im Wettbewerb sowie die zuverlässige Versorgung der Kunden mit Strom und Wärme. Der Vorstand der Bewag sei sich in dieser besonderen Situation des Unternehmens seiner Verantwortung bewusst, neben den Interessen der Aktionäre, die der Kunden, der Mitarbeiter und der Gesellschaft zu wahren.

Die rund zwei Millionen Kunden in Berlin und eine Vielzahl von Großkunden in ganz Deutschland würden auch in Zukunft von der Kunden- und Umweltorientierung, dem Service und der Innovationskraft der Bewag profitieren. Die Versorgung aller Bewag-Kunden mit preiswerter und umweltschonender Energie bleibe gewährleistet.

Ein besonderes Augenmerk gelte den Mitarbeitern. Die Unternehmensleitung werde gemeinsam mit den Gremien der Mitbestimmung alle Kräfte bündeln, um die nach sozialverträglich durchgeführtem Personalabbau verbleibenden Arbeitsplätze bei der Bewag langfristig sicher zu gestalten.

Die Bewag werde ihre Aktivitäten fortsetzen, um frei werdende Anteile an VEAG Vereinigte Energiewerke AG und Laubag zu erwerben und gemeinsam mit diesen Unternehmen eine „Neue Kraft¨ im deutschen Energiemarkt zu schaffen.

Der Vorstand der Bewag erwarte von den zuständigen Gremien und Behörden eine schnelle Klärung der Situation. (iwr)

08:51 Uhr
E.ON Energie tauscht BEWAG-Beteiligung gegen Sydkraft-Aktien und Mehrheit an Hamburger Gaswerken 
Die E.ON-Tochter E.ON Energie AG, München, übernimmt nach eigenen Angaben von der Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) die Beteiligungen am schwedischen Energieversorger Sydkraft AB, Malmö, in Höhe von 15,7 Prozent und an HEIN GAS Hamburger Gaswerke GmbH in Höhe von 61,9 Prozent. Zusätzlich erhalte E.ON Energie von HEW einen Barausgleich von rund 248 Mio Euro (485 Mio DM). Im Gegenzug gebe die E.ON-Tochter ihre 49-prozentige Beteiligung am Berliner Energieversorger BEWAG Aktiengesellschaft an HEW ab. Damit erhöhe E.ON Energie bei Sydkraft ihren Kapitalanteil von derzeit 20,7 auf 36,4 Prozent. Der Stimmrechtsanteil steige von 33,1 auf 35,8 Prozent, so dass E.ON Energie nach schwedischem Recht eine Sperrminorität bei Sydkraft erreiche. Sydkraft sei das zweitgrößte schwedische Versorgungsunternehmen und erzielte 1999 knapp 1,8 Mrd Euro Umsatz, so E.ON weiter. An HEIN GAS sei die E.ON Energie-Tochter Thüga bereits mit 28,05 Prozent beteiligt. HEIN GAS habe 1999 mit rund 1.500 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 600 Mio Euro erzielt und habe rund 700.000 Gas- und Wärmekunden im Raum Hamburg. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft HGW Hansegas versorge weitere 50.000 Kunden in Mecklenburg-Vorpommern. 

Die Transaktion stehe unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aufsichtsgremien und der kartellrechtlichen Freigabe. Bei HEIN GAS bestünden Vorkaufsrechte der Mitgesellschafter. Der Vollzug der Transaktion werde für Anfang 2001 erwartet. E.ON Energie sei mit 15,4 Prozent des Kapitals an HEW beteiligt. Über die Abgabe dieser Beteiligung fänden zur Zeit Verhandlungen mit dem schwedischen Energieversorger Vattenfall statt, die kurz vor dem Abschluss stünden. 

E.ON-Vorstandsvorsitzender Ulrich Hartmann: "Für die im Fusions-kontrollverfahren zugesagte Abgabe der BEWAG-Beteiligung haben wir zügig eine optimale Lösung gefunden. Mit der kräftigen Auf-stockung der Sydkraft-Beteiligung baut E.ON Energie die strategische Position auf dem interessanten skandinavischen Energiemarkt weiter aus. Zudem stärkt der Ausbau des Engagements bei HEIN GAS die Gasaktivitäten von E.ON Energie in Norddeutschland."  (iwr)