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21.03.2000 |
Naturstrom AG in Schwierigkeiten ? Interview mit dem Vorstand der Naturstrom AG, Ralf Bischof IWR: Die Naturstrom AG ist aufgrund einer gescheiterten Kapitalerhöhung in eine Überschuldungssituation geraten. Wie ist der augenblickliche Stand der Dinge? Bischof: Auf die Überschuldungssituation
ist bereits im vergangenen Jahr durch den Beschluß einer neuen Kapitalerhöhung
reagiert worden. Diese Kapitalerhöhung um rund 2,6 Mio. DM ist am
8. Februar in das Handelsregister eingetragen worden. Damit war das Problem
der bilanziellen Überschuldung vom Tisch.
IWR: Nach dem Ausscheiden des kaufmännischen Vorstandes Günter Benik liegt die Verantwortung für die Vorstandsaufgaben der Naturstrom AG bei Ralf Bischof. Wann soll ein neuer Finanzvorstand bestellt werden? Wer wird neuer Finanzvorstand? Bischof: Gespräche
mit geeigneten Kandidaten werden seit mehreren Wochen vom Aufsichtsrat
geführt. Bis jetzt wurde die richtige Frau oder der richtige Mann
noch nicht gefunden.
IWR: Was bedeuten die aktuellen Entwicklungen für die Kunden der Naturstrom AG? Werden alle bisherigen Kunden weiter beliefert? Haben bereits Kunden aufgrund der aktuellen Entwicklungen ihre Verträge gekündigt? Bischof: Für die Kunden
hat die Turbulenz auf der Kapitalseite keine Auswirkungen gehabt, alle
Kunden sind wie gewohnt beliefert worden. Es bestand auch zu keiner Zeit
ein Liquiditätsengpaß, das Bankkonto war stets gefüllt.
Die Überschuldung ergab sich als reine Bilanzrelation, da die Einlage
der Zeichner der gescheiterten Kapitalerhöhung nicht mehr als Eigenkapital
angesehen werden durfte.
IWR: Wie sind die diesjährigen Planziele der Naturstrom AG hinsichtlich Kundenzahl und Stromabsatz? Welche Schritte sind für die Zukunft geplant? Bischof: Die jetzige Kundenzahl
von 5000 wollen wir mindestens verdoppeln und den Auftragsbestand von gut
12 Mio. kWh/a wollen wir mindestens verdreifachen. Nach der Kooperation
mit dem BUND, dessen MItglieder ein spezielles Angebot von der Naturstrom
AG bekommen, werden wir weitere Verträge für ähnliche Kooperationen
in den nächsten Wochen abschließen. Abschlüsse mit zwei
Stadtwerken stehen kurz bevor.
IWR: Welche Forderungen haben Sie an die Politik? Welche Verbesserungen der Rahmenbedingungen auf dem liberalisierten Strommarkt fordern Sie? Bischof: Das größte
Unding sind zur Zeit die Wechselgebühren, die einige etablierte EVU
fordern. Damit sollen die neuen Anbieter wieder aus dem Markt gedrängt
werden, indem die Übernahme von Privatkunden unwirtschaftlich gemacht
wird. Es ist absolut notwendig, daß es wie im Telekommunikationsmarkt
eine staatliche Netzzugangsverordnung und eine Regulierungsbehörde
gibt. Speziell für den Grünen Strom fordern wir einen klaren
Vorrang beim Netzzugang: Bis zum Erreichen des EU-Ziels einer Verdoppelung
des Anteils erneuerbarer Energien am Strombedarf, sollte der Netzzugang
kostenlos erfolgen. Nur die Befreiung von der Ökosteuer reicht bei
den jetzigen Grenzkostenpreisen für Egalstrom nicht aus, um den Grünen
Strom für große Teile der Bevölkerung preislich attraktiv
zu machen. Solche Vorrangregelungen sind in der EU-Richtlinie zum Strombinnenmarkt
ausdrücklich erlaubt.
IWR: Herr Bischof, herzlichen
Dank für dieses Gespräch.
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