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16.09.2022, 16:53 Uhr

Stromausfall EDF: Abgeschaltete Atomkraftwerke in Frankreich kosten knapp 30 Milliarden Euro

Paris - In Frankreich wird im Jahr 2022 voraussichtlich so wenig Atomstrom produziert wie seit 30 Jahren nicht mehr. Grund ist der gleichzeitige Ausfall von zeitweise bis zu 32 der insgesamt 56 französischen Atomkraftwerke. Das hat weitreichende wirtschaftliche Folgen für den noch mehrheitlich im Staatsbesitz befindlichen französischen Stromversorger EDF.

Als vor Weihnachten 2021 in Deutschland die Strompreise urplötzlich explodierten und zahlreiche Strom-Billiganbieter nicht mehr lieferten oder in die Insolvenz gingen, da hatten nur wenige die Ursache in Frankreich vermutet. Binnen kurzer Zeit wurden gleich mehrere französische Atomkraftwerke wegen Korrosionsproblemen schlagartig abgeschaltet, u.a. musste Deutschland daraufhin mit Strom bis an die technische Kapazitätsgrenze aushelfen.

EDF muss Ende 2021 unerwartet weitere vier weiter Atomkraftwerke stilllegen

Wegen der durch Covid-19 ohnehin angespannten Situation und auf Grund des Verzugs bei der Wartung französischer Atomkraftwerke kam die Abschaltung von weiteren Atomkraftwerken Ende 2021 und damit vor dem Winter zur Unzeit. Ende Oktober 2021 waren erst im Zuge der 10-jährigen, umfangreichen, Sicherheitsinspektion im ersten Block des Atomkraftwerks Civaux unverhofft Qualitätsmängel in der Nähe von Schweißnähten an Rohrkrümmern des Sicherheitseinspritzsystems festgestellt worden.

Danach wurde im November 2021 der erste und zweite AKW-Block mit zusammen über 3.000 MW Leistung abgeschaltet. Die baugleichen Atomkraftwerke in Chooz (Ardennen) mit zwei Blöcken (je 1.560 MW Bruttoleistung) sind dann vorsorglich und unplanmäßig am 16. und 18.12.2021 vom Netz gegangen. Die unplanmäßige Abschaltung von insgesamt 6.000 MW Atomkraftleistung führte am Strommarkt zu den sehr hohen Preissprüngen, auch in Deutschland.

Französischer Stromversorger EDF 2022 unter Druck – Milliarden-Kosten durch AKW-Stromausfall

Der bisherige massive Ausfall französischer Atomkraftwerke setzt sich im Jahr 2022 fort. Obwohl die gesamte französische Atomkraftflotte eine installierte Leistung von 61.370 MW aufweist, brach die stromproduzierende AKW-Versorgungsleistung zweitweise auf unter 20.000 MW ein. Der französische Stromversorger EDF korrigierte die Atomstromproduktion im Laufe des Jahres mehrfach nach unten, zuletzt auf eine Bandbreite zwischen 280 und 300 Mrd. kWh (Jahr 2021: 360 Mrd. kWh.)

Nach der jüngsten EDF-Mitteilung zu Folge wird der AKW-Stromausfall in Frankreich das operative EDF-Ergebnis auf Basis EBITDA jetzt voraussichtlich mit 29 Mrd. Euro belasten. Das sind 5 Mrd. Euro mehr als EDF noch am 18. Mai 2022 geschätzt (24 Mrd. Euro) hatte.

Ob am Ende noch höhere Verluste anfallen, wird sich erst noch zeigen. Seit Jahresbeginn 2022 bis heute (16.09.2022) wurden in Frankreich bisher rd. 198 Mrd. kWh Atomstrom produziert (Vorjahresvergleich: 250 Mrd. kWh). Das geht aus den Daten der europäischen Netzbetreiber (ENTSO-E) hervor. Damit fehlen im laufenden Jahr 2022 bisher schon 52 Mrd. kWh Strom im Vergleich zum Vorjahr. Die fehlende Atomstrommenge in Frankreich entspricht derzeit schon der gesamten Jahresstromerzeugung von Griechenland (2018).

IWR-Simulation zur Atomstrom-Produktion in Frankreich bis Ende 2022

In Frankreich produzieren derzeit Atomkraftwerke mit einer Leistung von rd. 26.000 MW Strom. Unter der Annahme, dass bis Ende des Jahres 2022 nur diese Atomkraftleistung beibehalten werden kann, erreicht die Atomstromproduktion nach einer Simulation des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) insgesamt lediglich 262 Mrd. kWh. Können weitere Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen und die Strom produzierende Atomkraftleistung steigt beispielsweise auf 30.000 MW durchgehend bis zum Jahresende, dann würde die Atomstromproduktion von heute an gerechnet insgesamt 274 Mrd. kWh erreichen, der Wert liegt aber immer noch unter der Ziel-Bandbreite (280 – 300 Mrd. kWh) von EDF.

Erst bei einer dauerhaft verfügbaren AKW-Leistung von deutlich über 30.000 MW kann das untere Niveau erreicht werden. Aber selbst wenn die untere Bandbreite (280 Mrd. kWh) Atomstrom erreicht wird, fehlen rd. 80 Mrd. kWh Strom im Vergleich zum Vorjahr, der von den Nachbarländern importiert werden muss und am Ende zu steigenden Strompreisen führt.

Präsident Macron deckelt Strompreise – Kosten trägt EDF

Trotz des Strommangels und der kräftig gestiegenen Strompreise im Atomland Frankreich merkt der normale Stromverbraucher kaum etwas davon. So hat Staatspräsident Macron den staatlich dominierten Stromversorger EDF angewiesen, die Strompreise zwischen Februar 2022 und Februar 2023 um nicht mehr als 4 Prozent zu erhöhen. Die entstehenden Kostenbelastungen in Milliardenhöhe übernahm EDF. Weil dem hochverschuldeten EDF-Konzern das Geld nun wiederum fehlte, startete das Unternehmen eine Kapitalerhöhung und der französische Staat musste wegen des staatlichen Anteils an EDF (83,88 Prozent) einen Anteil von 2,7 Mrd. Euro aus Steuermitteln leisten. Im Juli 2022 dann die Ankündigung, dass der Stromversorger EDF vollständig verstaatlicht werden soll. Für das Jahr 2023 ist laut Premierministerin Elisabeth Borne erneut eine staatliche Deckelung der französischen Strom und Gaspreise auf 15 Prozent vorgesehen.

Frankreich: Bau von bis zu 14 Atomkraftwerken würde Frankreich nicht vor 2035 helfen

Als Reaktion auf die Stromkrise in Frankreich hatte Staatspräsident Macron angekündigt, dass allein sechs neue Atomkraftwerke vom Typ EPR 2 gebaut werden sollen. Angesichts der langen Bauzeiten von Atomkraftwerken ist eine Fertigstellung aber nicht vor 2035 zu erwarten. Das derzeit einzige im Bau befindliche französische Atomkraftwerk Flamanville wird bereits seit 15 Jahren errichtet und ist noch immer nicht fertig gestellt. Unklar ist zudem wie lange die alten und teilweise schon mehr als 40 Jahre in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke sicher weiterbetrieben werden können und wie die energiewirtschaftliche Brücke bis zum Jahr 2035 aussehen soll.

Quelle: IWR Online

© IWR, 2022

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