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26.03.2026, 11:19 Uhr Studie: Reiches Netzpaket bedroht Ausbau von Wind- und Solarenergie - 32 GW Wind- und Solarleistung und 45 Mrd. Euro Investitionen in GefahrHamburg - Das von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche geplante Netzpaket droht, den Ausbau von Wind- und Solarenergie in Deutschland massiv auszubremsen. Nach einer aktuellen Studie könnten Wind- und Solarprojekte mit einer Leistung von 32 Gigawatt und einem privaten Investitionsvolumen von 45 Milliarden Euro gefährdet sein - besonders in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Bayern.
Betroffen vom Netzpaket wären nach einer neuen Kurzstudie des Beratungsunternehmens Enervis im Auftrag des Ökostromanbieters Green Planet Energy 90 Landkreise, die künftig als „kapazitätslimitierte Netzgebiete“ gelten würden. Betreiber neuer Wind- und Solaranlagen erhielten keine Entschädigung mehr für Abregelungen bei Netzengpässen. Green Planet Energy fordert, das Netzpaket grundlegend zu überarbeiten und statt Risiken auf Projektierer abzuwälzen klare, faire und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Ausbau beschleunigen.
Massive Risiken für Wind- und SolarprojekteFür Windenergie an Land zeigt die Studie: Rund 23 Gigawatt an bereits genehmigten oder im Verfahren befindlichen Anlagen stünden vor dem Aus. Das entspricht etwa 30 Prozent der anstehenden Projekte und rund 40 Milliarden Euro an Investitionen. Auch bei der Photovoltaik wären die Folgen erheblich: Etwa 9,2 Gigawatt kurzfristig realisierbarer Freiflächenprojekte - rund 28 Prozent dieses Segments - könnten wegfallen. Das Investitionsvolumen liegt bei etwa 4,9 Milliarden Euro. Diese Größenordnung entspricht ungefähr dem gesamten Jahreszubau an PV-Freiflächenanlagen.
Carolin Dähling, Bereichsleiterin Politik und Kommunikation bei Green Planet Energy, kommentiert: „Fossile Preissprünge belasten das ganze Land. Gerade jetzt Milliarden für Wind und Solar zu blockieren, wäre ein Fehler mit Ansage. Genau das droht mit dem Netzpaket: Statt günstige, regionale Energie zu ermöglichen, stellt das Ministerium Projekte infrage, die längst startklar sind.“
Besonders betroffen wären Landkreise in Ostfriesland, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern. Dabei macht das Ministerium keinen Unterschied zwischen Technologien: Das bedeutet, in Regionen mit starkem PV-Ausbau wären neue Windprojekte gefährdet - und umgekehrt. Selbst in Bayern, wo bislang kaum Windkraftanlagen stehen, wären neue Projekte durch den hohen PV-Anteil bedroht. Die Studie betont zudem, dass es sich nicht nur um einzelne Anlagen handelt, sondern um ganze Cluster von Projekten, die in den kommenden Jahren realisiert werden sollten. Die Verzögerungen könnten regionale Wertschöpfung, lokale Beschäftigung und zusätzliche Steuereinnahmen spürbar beeinträchtigen.
Investitionsrisiken durch Redispatch-VorgabenEin zentraler Knackpunkt ist der geplante Redispatchvorbehalt: Betreiber sollen künftig keine Entschädigung mehr für Abregelungen ihrer Anlagen erhalten. Tim Höfer, Energiemarktexperte bei Enervis, warnt: „Die Erlösrisiken steigen, da nicht verlässlich vorhersehbar ist, ob eine Region im Projektzeitraum als kapazitätslimitiertes Netzgebiet ausgewiesen wird. Der fehlende finanzielle Ausgleich reduziert die Wirtschaftlichkeit zusätzlich.“
Zudem könnten windstarke Jahre die Zahl der betroffenen Regionen erhöhen. Selbst wenn der Status „kapazitätslimitiert“ wieder gelockert wird, bleibt er bis zu drei Jahre bestehen. Dies schafft Unsicherheit für Investoren, erhöht die Kosten für Ausschreibungen und könnte die Realisierung neuer Projekte deutlich verzögern.
Green Planet Energy fordert, das Netzpaket grundlegend zu überarbeiten und die Engpässe an der Ursache zu lösen: durch Netzausbau, Digitalisierung und Flexibilitätsoptionen. Dähling betont: „Den Erneuerbaren die Schuld für Netzprobleme zu geben, ist, als würde man dem Wasser marode Leitungen anlasten. Nicht Wind und Sonne sind das Problem, sondern Netze, die seit Jahren nicht modernisiert wurden. Die Bundesregierung muss jetzt dafür sorgen, dass die Netzbetreiber ihre Arbeit erledigen und die Netze fit machen für mehr Erneuerbare.“
Quelle: IWR Online © IWR, 2026 Mehr Nachrichten und Infos aus der Regenerativen Energiewirtschaft
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