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06.05.2026, 12:46 Uhr

CO2-Differenzverträge 2026: Bundeswirtschaftsministerium startet neue Gebotsrunde zur Dekarbonisierung energieintensiver Industrien

Berlin/Münster - Das BMWE hat das Gebotsverfahren 2026 für CO2-Differenzverträge gestartet. Für das Programm sind im Bundeshaushalt bis zu fünf Milliarden Euro vorgesehen. Es soll energieintensive Industrien beim Umstieg auf eine klimaneutrale Produktion unterstützen. Ziel ist es, Emissionsminderungen mit industrieller Wettbewerbsfähigkeit zu verbinden.

Mit dem Gebotsverfahren 2026 für CO2-Differenzverträge will das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) Investitionen in klimafreundliche Verfahren in Chemie, Stahl, Zement und weiteren Branchen fördern. Die CfD-Verträge gleichen über 15 Jahre die Mehrkosten aus und setzen auf ein wettbewerbliches Gebotsverfahren. Neu sind gegenüber der vorangegangenen Ausschreibungsrunde angepasste und zeitlich gestreckte Emissionsminderungsziele, erweiterte Technologieoptionen und begrenzte Rückzahlungsrisiken für Unternehmen.

Staatliche Milliardenförderung für klimaneutrale Industrieprozesse in Deutschland

Das BMWE hat das Gebotsverfahren 2026 für CO2-Differenzverträge gestartet. Das Förderinstrument richtet sich an energieintensive Industrien im europäischen Emissionshandelssystem EU-ETS 1 und soll den Umstieg auf CO2-arme Produktionsverfahren beschleunigen. Insgesamt stehen im Bundeshaushalt bis zu fünf Milliarden Euro für die neue Runde bereit.

Gefördert werden insbesondere Vorhaben in den Branchen Chemie, Metalle, Zement, Kalk, Glas, Papier und Keramik. Laut BMWE sollen die Verträge „gezielte Anreize für Unternehmen“ setzen, um Produktionsprozesse im Einklang mit europäischen und nationalen Klimazielen weiterzuentwickeln. Gleichzeitig soll die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland gesichert werden.

Im Vergleich zur ersten Gebotsrunde 2024 wurde das Programm deutlich überarbeitet. Die Anforderungen an Emissionsminderungen wurden angepasst: Nach vier Jahren müssen die CO2-Emissionen nun um mindestens 50 Prozent gegenüber dem Referenzsystem sinken, im letzten Jahr um mindestens 85 Prozent. Zuvor lagen die Zielwerte höher und wurden schneller gefordert. Zudem sind CCU- und CCS-Technologien nun breiter zugelassen, insbesondere für schwer vermeidbare Prozessemissionen.

Auch neue Förderoptionen wurden integriert. Förderfähig sind nun auch reine Industriedampfprojekte, was die Dekarbonisierung von Prozesswärme erweitert. Zusätzlich wurde eine klarere Regelung für den Ausstieg vor Projektstart eingeführt, um die Planungssicherheit zu erhöhen. Rückzahlungsverpflichtungen wurden begrenzt, wodurch das finanzielle Risiko für Unternehmen sinkt.

Unternehmen, die am vorbereitenden Verfahren Ende 2025 erfolgreich teilgenommen haben, können bis zum 07.09.2026 ein Gebot abgeben. Eine beihilferechtliche Genehmigung der Europäischen Kommission steht noch aus und wird laut BMWE kurzfristig erwartet.

Funktionsweise der CO2-Differenzverträge: 15 Jahre Risikoausgleich und Auktionsprinzip

Die CO2-Differenzverträge sind als sogenannte „Two-Way-CfDs“ ausgestaltet. Sie laufen über 15 Jahre und gleichen die Mehrkosten klimafreundlicher Produktion im Vergleich zu konventionellen Verfahren aus. Grundlage ist der Vergleich zwischen einem fossilen Referenzsystem und einer CO2-armen Technologie, etwa Wasserstoffprozessen oder elektrifizierten Anlagen.

Das Prinzip ist symmetrisch: Bleibt die grüne Produktion teurer, zahlt der Staat die Differenz. Sinkt sie jedoch unter das im CfD definierte Referenzniveau, etwa durch steigende CO2-Preise oder fallende Energiekosten, müssen Unternehmen die Überschüsse an den Staat zurückzahlen. Damit unterscheidet sich das Modell von klassischen Einbahnstraßenförderungen.

Die Vergabe der CfDs erfolgt über ein wettbewerbliches Gebotsverfahren. Unternehmen geben an, welche Förderung sie pro vermiedener Tonne CO2 benötigen. Den Zuschlag erhalten die effizientesten Projekte mit dem geringsten Förderbedarf. Ziel ist eine möglichst kosteneffiziente Verwendung öffentlicher Mittel.

Die Gesamtkosten hängen stark von Energiepreisen, CO2-Preisen und technologischer Entwicklung ab. Bereits in der ersten Gebotsrunde 2024 wurden Verträge mit einem Volumen von bis zu 2,8 Milliarden Euro abgeschlossen.

CO2-Differenzverträge im Detail: Einordnung symmetrischer und Korridor-Modelle

Das vom BMWE gewählte Modell entspricht einem klassischen symmetrischen „Two-Way-CfD“, bei dem Preisrisiken über die gesamte Laufzeit in beide Richtungen abgesichert werden. Dieses Design gilt als besonders geeignet für Investitionen in neue, noch nicht wettbewerbsfähige Technologien, da es eine durchgehende Kalkulationsbasis schafft.

Davon zu unterscheiden sind sogenannte Korridor-CfDs, die international in unterschiedlichen Ausprägungen eingesetzt werden. Diese arbeiten nicht mit einem einzelnen Referenzwert, sondern mit einer definierten Bandbreite aus Unter- und Obergrenze. Innerhalb dieses Korridors wirken Marktpreise unmittelbar: Unternehmen tragen Chancen und Risiken selbst und können von steigenden Preisen profitieren, ohne sofortige Rückzahlungsverpflichtungen.

Erst wenn die Erlöse unter die Untergrenze fallen, greifen staatliche Ausgleichszahlungen. Umgekehrt werden oberhalb der Obergrenze überdurchschnittliche Marktgewinne teilweise abgeschöpft. Der Korridor wirkt damit wie ein Pufferbereich, der Marktsignale zulässt, aber extreme Ausschläge begrenzt.

Im Vergleich dazu setzt der symmetrische CfD, wie ihn das BMWE nutzt, auf eine lückenlose Absicherung ohne solchen Spielraum. Während Korridor-Modelle stärker auf Marktintegration zielen, priorisiert der symmetrische Ansatz vor allem Investitionssicherheit in der frühen Phase der industriellen Transformation.

Quelle: IWR Online

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