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08.06.2026, 15:39 Uhr Polen nimmt ersten Offshore Windpark in Betrieb: Windenergie-Studie zeigt große Potenziale und strukturelle EngpässeWarschau – Die installierte Leistung der polnischen Onshore-Windenergie hat Ende 2025 die Marke von 11 GW überschritten. Das geht aus dem Bericht „Wind Energy in Poland 2026" hervor. Danach steht Polen an einem Wendepunkt: mit wachsenden Investitionen, aber auch strukturellen Engpässen, die das Tempo der Energiewende bestimmen werden.
Der Bericht unter Beteiligung des polnischen Windenergieverbandes PWEA, des Beratungsunternehmens TPA und der internationalen Wirtschaftskanzlei DWF (UK) analysiert sowohl den Onshore- als auch den Offshore-Markt umfassend. Das größte Hindernis für den Onshore-Markt sind laut Bericht unerwartete administrative Hemmnisse. Zugleich soll im laufenden Jahr 2026 der erste Offshore-Windpark Strom liefern. Die Ausbauziele der polnischen Regierung werden dabei teilweise durch Präsidentenvetos ausgebremst.
Onshore-Windenergie: reifer Markt mit Netzengpässen und FlächendruckObwohl die installierte Kapazität 11 GW überschritten hat, bleibt das erschlossene Potenzial weit hinter den Möglichkeiten zurück. Allein 2025 wurden laut Bericht 4.897 Netzanschlussanträge abgelehnt; die Gesamtkapazität ausstehender Anträge überstieg 107 GW. Eine im Frühjahr 2026 in Kraft getretene Novelle des Netzgesetzes soll den Anschlussprozess straffen – die Branche bewertet dies als Schritt in die richtige Richtung, jedoch als nicht ausreichend.
Die Wirtschaftlichkeit bleibt nach Einschätzung der Studienautoren grundsätzlich gegeben: Für einen modellierten 30-MW-Windpark mit einem Kapazitätsfaktor von 35 Prozent ergibt sich ein interner Zinsfuß (IRR) von 9,7 Prozent, die Stromgestehungskosten (Levelised Cost of Energy, LCOE) liegen bei PLN 240–320/MWh (ca. 57–75 EUR/MWh). Die praktischen Hindernisse bleiben jedoch erheblich: Fragmentierte Raumplanung, die 700-Meter-Abstandsregel, militärische Sperrgebiete und begrenzte Netzkapazitäten engen den Investitionsspielraum weiter ein.
Offshore Windpark Baltic Power auf der Zielgeraden – erster Strom in 2026Im Offshore-Bereich sind Projekte mit zusammen rund 18 GW Leistung genehmigt; für rund 5 GW wurden bereits Investitionsentscheidungen getroffen. Die erste Phase-II-Auktion im Rahmen des Differenzvertrags-Fördermechanismus (Contract for Difference, CfD) im Dezember 2025 vergab Förderung für weitere 3,435 GW zu Preisen zwischen PLN 476,88 und 492,32/MWh (ca. 112–116 EUR/MWh). Insgesamt sollen bis 2032 rund 10 GW Offshore-Kapazität in Betrieb gehen.
Die Herausforderungen sind nach Einschätzung des Berichts erheblich: Der Weg von der ersten Standortgenehmigung bis zur Inbetriebnahme des ersten polnischen Offshore-Windparks dauerte 14 Jahre. Für ein repräsentatives 800-MW-Projekt modelliert Baker Tilly TPA einen CAPEX von PLN 19,1 Mio./MW (ca. 4,5 Mio. EUR/MW) und Stromgestehungskosten (LCOE) von rund PLN 483/MWh (ca. 114 EUR/MWh). Der Anteil polnischer Unternehmen an der Phase-I-Lieferkette liegt laut Bericht derzeit bei 20–40 Prozent – ein erheblicher Teil der Wertschöpfung fließt noch ins Ausland.
Noch im Jahr 2026 geht mit Baltic Power Polens erster Offshore-Windpark mit 1,2 GW Leistung ans Netz. Das Joint Venture des polnischen Energiekonzerns Orlen und der kanadischen Northland Power errichtet insgesamt 76 Windturbinen von Vestas (Typ V236-15.0 MW) mit je 15 MW Leistung.
Heimische Industrie und lokale Wertschöpfung rücken in den FokusDer Sonderteil der diesjährigen Ausgabe widmet sich der Förderung der heimischen Erneuerbaren-Industrie. Die staatliche „Local First"-Strategie und die EU-Vorgaben des Net-Zero Industry Act (NZIA) machen lokale Wertschöpfung zum Bestandteil der nationalen Beschaffungspolitik. Im Zielszenario von 33 GW Offshore-Kapazität schätzt Baker Tilly TPA den kumulierten Bruttowertschöpfungseffekt auf PLN 346 Mrd. (ca. 82 Mrd. EUR), die fiskalischen Einnahmen auf über PLN 56 Mrd. (ca. 13 Mrd. EUR) und den Beschäftigungseffekt auf rund 102.000 FTE-Jahre – bei einem gewichteten lokalen Wertschöpfungsanteil von knapp 32 Prozent.
Polens Regierung: ambitionierte Ziele, politisch umkämpfte UmsetzungDie polnische Regierung hat sich ambitionierte Ausbauziele gesetzt: Bis 2030 soll die Onshore-Windkapazität auf rund 16 GW steigen, bis 2040 sind 18 GW Offshore in der Ostsee geplant. Das Energieministerium legte zuletzt jedoch ein konservativeres Szenario vor, das für 2040 nur noch 10,8 GW Onshore und 11,8 GW Offshore vorsieht – deutlich weniger als ursprünglich geplant.
Hintergrund ist unter anderem ein Präsidentenveto gegen eine Lockerung der Abstandsregeln für Windkraftanlagen im Jahr 2025, das den Investitionsspielraum für neue Onshore-Projekte erheblich einengt. Der polnische Windenergieverband PWEA kritisiert diese Einschätzung und warnt vor deutlich höheren Strompreisen bei einer verlangsamten Energiewende.
Quelle: IWR Online © IWR, 2026 Weitere Meldungen rund um die Offshore Windindustrie
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