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25.06.2026, 15:44 Uhr

Bertelsmann-Studie: Beschäftigungsrekord bei erneuerbaren Energien – aber politischer Kurswechsel gefährdet Tausende Jobs

Gütersloh – Die Branche der erneuerbaren Energien hat in Deutschland 2025 einen neuen Beschäftigungsrekord erreicht. Gleichzeitig warnt die Bertelsmann Stiftung in ihrer aktuellen Studie: Der sich abzeichnende energiepolitische Kurswechsel der Bundesregierung könnte Tausende Arbeitsplätze gefährden – ähnlich wie frühere politische Eingriffe in den Markt.

Die Analyse der Bertelsmann Stiftung zeigt einen engen Zusammenhang zwischen politischen Rahmenbedingungen und Beschäftigung in der Branche. Mit 436.000 Beschäftigten lag die Zahl der Arbeitsplätze im Sektor erneuerbarer Energien 2025 knapp vier Prozent über dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2023. Parallel dazu stiegen die Investitionen in erneuerbare Energien auf einen neuen Höchststand von 37,5 Milliarden Euro. „Die Beschäftigung wächst dort, wo durch Planungssicherheit private Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließen", erklärte Arbeitsmarktexpertin Jana Fingerhut.

Windenergie führt, Solar-Ausbau wächst – Beschäftigung sinkt

Die Windenergie bleibt nach den Auswertungen der Bertelsmann Stiftung der arbeitsplatzstärkste Bereich: Die Zahl der Beschäftigten stieg zwischen 2023 und 2025 um rund 30 Prozent auf 172.000 – das sind mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze in der gesamten Branche der erneuerbaren Energien. Weitere wichtige Säulen sind die Biomasse mit rund 97.000 sowie Solarenergie mit knapp 90.000 Beschäftigten. An vierter Stelle folgt die Wärmepumpenbranche mit rund 72.000 Beschäftigten.

Dabei zeigt sich ein strukturelles Problem: Obwohl immer mehr Solaranlagen installiert werden, sinkt die Beschäftigung im Bereich Photovoltaik. Fingerhut erklärte dazu: „Obwohl immer mehr Photovoltaik-Anlagen installiert werden, sinkt die Zahl der Beschäftigten aktuell. Denn die Solar-Module werden im Ausland produziert. Die vor 15 Jahren noch so starke Fertigung in Deutschland ist verschwunden. Diesen Fehler dürfen wir bei der Produktion von Windkraftanlagen, Wärmepumpen und Wechselrichtern nicht wiederholen. Es geht dabei nicht nur um Arbeitsplätze, sondern auch um eine strategische Unabhängigkeit im Energiebereich. Dafür braucht es eine verlässliche Energiepolitik, auch über Wahlperioden hinweg."

Politische Einschnitte haben in der Vergangenheit Beschäftigung halbiert

Die Studie zeigt, wie stark politische Entscheidungen die Beschäftigung in der Branche beeinflussen. Nach Änderungen der Rahmenbedingungen im Solarbereich halbierte sich die Zahl der Beschäftigten zwischen 2011 und 2013 von 156.700 auf 70.200 – bis 2017 sank sie weiter auf 39.900. In der Windbranche führte die Einführung neuer Ausschreibungsverfahren und eine Ausbaudeckelung zu einem Rückgang der Beschäftigung von 167.700 im Jahr 2016 auf 130.500 Personen im Jahr 2018, also etwa um ein Fünftel. Besonders deutlich zeigte sich die Sensibilität zuletzt bei Wärmepumpen: Nach der heftig geführten Debatte um das Heizungsgesetz brach die Beschäftigung zunächst um 28 Prozent ein, erholte sich danach aber wieder.

Roman Wink, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung, warnte: „In Zeiten wirtschaftlicher Krise, in denen wir um jeden Job kämpfen, sollten wir die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen. Wir dürfen den Ausbau der erneuerbaren Energien kein weiteres Mal abwürgen. Es geht um Jobs, um mehr Unabhängigkeit von fossilen Importen und letztlich um unsere Wettbewerbsfähigkeit."

Aktuelle Gesetzesvorhaben im Fokus

Die Bertelsmann Stiftung mahnt, die derzeit geplanten Gesetzesvorhaben – von der EEG-Novelle über das Gebäudemodernisierungsgesetz und das Netzpaket bis zum Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz – beschäftigungssicher auszugestalten. Konkret sieht die Stiftung Risiken dort, wo kleinere Photovoltaikanlagen keine Vergütung mehr erhalten, Investitionsunsicherheiten durch unklare Entschädigungsregeln bei Netzengpässen entstehen, Gaskraftwerke anstelle von Speicherlösungen gebaut werden und klare Regeln für klimafreundliches Heizen wegfallen.

Über die Bertelsmann Stiftung

Die Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) ist eine der größten operativen Stiftungen in Deutschland. Sie engagiert sich in den Bereichen Bildung, Demokratie, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Wirtschaft und gibt regelmäßig Studien zu arbeitsmarkt- und energiepolitischen Themen heraus.

Quelle: IWR Online

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