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07.07.2026, 12:50 Uhr Fraunhofer-Studie sieht Milliarden-Einsparpotenzial durch mehr Flexibilität im StromsystemBerlin – Mit steigendem Anteil von Wind- und Solarstrom wächst der Bedarf an Flexibilität im Stromsystem, etwa durch Speicher. Wie hoch der volkswirtschaftliche Nutzen zusätzlicher Flexibilität ausfallen könnte, beziffert eine neue Fraunhofer-IEE-Analyse im Auftrag von BEE, BWE und BSW-Solar: rund 3,9 Milliarden Euro pro Jahr.
Modelliert wurde im Rahmen der Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE eine zusätzliche kurzfristige Flexibilität von 20 Gigawatt Speicherleistung mit vier Stunden Speicherkapazität – rund 80 Gigawattstunden – für den Zeitraum Januar 2025 bis Mai 2026. Sie hätte volkswirtschaftliche Einsparungen von 5,6 Milliarden Euro ermöglicht, unter anderem durch höhere Marktwerte erneuerbarer Energien, geringere EEG-Kosten, gedämpfte Spotmarktpreise und eine günstigere Stromhandelsbilanz mit dem Ausland.
Was die zusätzliche Flexibilität konkret bewirken würdeMit dem steigenden Anteil von Wind- und Solarstrom nehmen Phasen sehr hoher gleichzeitiger Einspeisung zu – in der Branche als Hellbrisen bezeichnet. In diesen Phasen sinken die Börsenstrompreise häufig auf sehr niedrige oder negative Werte. Das drückt die Marktwerte erneuerbarer Energien, erhöht die aus dem Bundeshaushalt auszugleichenden EEG-Differenzkosten und verschärft die Finanzierungsrisiken für neue Anlagen nach § 51 EEG, der den Anspruch auf die Marktprämie bei negativen Preisen aussetzt. Laut Fraunhofer IEE könnten zusätzliche Speicher diese Effekte konkret abmildern: Negative Börsenstrompreise würden um fast 70 Prozent sinken, marktliche Abregelungsmengen um 3,3 Terawattstunden beziehungsweise rund 55 Prozent zurückgehen. Die Finanzierungsrisiken durch § 51 EEG sänken bei Photovoltaik um rund 75 Prozent, bei Windenergie an Land um fast 55 Prozent und bei Offshore-Windenergie um fast 60 Prozent. Speicher sind dabei eine von mehreren Flexibilitätsoptionen; auch die Fraunhofer-Analyse verweist darauf, dass ebenso flexible Verbraucher, Erzeugungsflexibilitäten und Sektorenkopplung zur besseren Integration wachsender Wind- und Solarstrommengen beitragen können.
Speicherausbau in Deutschland: Aktuelle Zahlen aus dem MarktstammdatenregisterNach einer aktuellen IWR-Auswertung der Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur waren in Deutschland bis Ende Juni 2026 kumuliert rund 18,4 Gigawatt Batteriespeicherleistung mit einer Kapazität von rund 31,3 Gigawattstunden installiert, im Schnitt rund 1,7 Stunden Speicherdauer (Datenstand: 04.07.2026). Allein im ersten Halbjahr 2026 kamen rund 2,4 Gigawatt beziehungsweise 5,5 Gigawattstunden hinzu, im Schnitt bei rund 2,3 Stunden Speicherdauer. Die von Fraunhofer IEE für die Modellrechnung angenommenen vier Stunden Speicherkapazität liegen damit über der derzeit im deutschen Markt aktuell noch realisierten durchschnittlichen Speicherdauer.
BEE, BWE und BSW-Solar fordern schnelleren SpeicherausbauDer Studie zufolge wirkt der EE-Ausbau schon heute kostendämpfend: Allein durch den Zubau der vergangenen Jahre ergaben sich im Untersuchungszeitraum Netto-Einsparungen von rund 0,3 Milliarden Euro, da die strompreissenkende Wirkung zusätzlicher erneuerbarer Erzeugung die zusätzlichen EEG-Kosten überstieg. Mit den von der Bundesregierung angestrebten Ausbauzielen von jährlich 20 Gigawatt Photovoltaik und 15 Gigawatt Windenergie wächst nach einer vereinfachten Extrapolation der Analyse der Bedarf an zusätzlicher Flexibilität um rund 8 Gigawatt Speicherleistung beziehungsweise 32 Gigawattstunden pro Jahr. Die Verbände BEE, BWE und BSW-Solar fordern deshalb den Abbau regulatorischer Hemmnisse: schnellere und standardisierte Netzanschlussverfahren, die Ermöglichung des Multi-Use-Betriebs von Batteriespeichern – also die gleichzeitige Nutzung für mehrere Anwendungen wie Eigenverbrauch, Vermarktung und Netzdienstleistungen –, den stärkeren Einsatz von Speichern bei Redispatch-Maßnahmen und Netzengpässen sowie vereinfachte Anschlussregeln für Speicher an bestehenden Netzanschlüssen.
„Die Analyse zeigt: Speicher sind ein Sparprogramm für Stromkunden und Bundeshaushalt. Die Politik muss Speicher und Flexibilität jetzt schneller ermöglichen“, erklärt Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie. „Die Zahl der Netzanschluss-Anfragen seitens der EE-Branche zeigen: Der Markt steht bereit. Jetzt muss die Politik dafür sorgen, dass aus Anfragen auch Projekte werden“, so Heinen-Esser weiter.
Quelle: IWR Online © IWR, 2026 Mehr Nachrichten und Infos aus der Regenerativen Energiewirtschaft
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