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15.07.2026, 16:09 Uhr

Smart-Meter-Rollout: VDE warnt Bundesregierung vor "Light"-Lösung als Bremse der Energiewende

Frankfurt/Berlin – Der Smart-Meter-Rollout in Deutschland kommt nur langsam voran. Mit der geplanten Einführung sogenannter "Smart Meter Light"-Systeme droht nach Einschätzung des Forums Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) und der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) nun zusätzliche Komplexität. Die beiden Verbände warnen, dass parallele Messsysteme den Ausbau intelligenter Messsysteme verzögern und die Digitalisierung des Energiesystems ausbremsen könnten.

Hintergrund ist der Beschluss des Koalitionsausschusses, neben dem gesetzlich geregelten Rollout intelligenter Messsysteme eine vereinfachte "Smart Meter Light"-Variante einzuführen. VDE FNN und DKE lehnen diesen Ansatz ab und fordern stattdessen, die bereits im Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) verankerte 1:n-Anbindung konsequent auszubauen.

Parallele Systeme gefährden Standardisierung und Rollout

Nach Einschätzung von VDE FNN und DKE würde die Entwicklung einer zusätzlichen "Smart Meter Light"-Technologie erhebliche personelle und technische Ressourcen binden, die derzeit für den Ausbau intelligenter Messsysteme benötigt werden. Gleichzeitig drohe eine parallele Infrastruktur mit unterschiedlichen Datenformaten und Prozessen.

Netzbetreiber, Messstellenbetreiber und weitere Marktakteure seien jedoch auf einheitliche Standards, interoperable Systeme und eine sichere Marktkommunikation angewiesen. Auch für Endkunden sehen die Verbände Nachteile: Wer später Photovoltaik, Wärmepumpe oder Wallbox installiert und damit zum Pflichteinbaufall wird, müsste das "Smart Meter Light" voraussichtlich gegen ein intelligentes Messsystem austauschen lassen.

Als Alternative verweisen VDE FNN und DKE auf die bereits im Messstellenbetriebsgesetz vorgesehene 1:n-Anbindung. Dabei können mehrere digitale Stromzähler über ein gemeinsames Smart-Meter-Gateway betrieben werden. Diese Lösung sei insbesondere für Mehrfamilienhäuser kosteneffizient, bereits vollständig in die bestehenden Marktprozesse integriert und lasse sich später ohne erneuten Zählerwechsel um Steuerungsfunktionen erweitern.

„Dieses Risiko lässt sich nur vermeiden, wenn "Smart Meter Light" genauso spezifiziert, entwickelt und getestet werden, wie die Lösung, die bereits heute zur Verfügung steht. Sonst passen Datenformate, Systeme und Prozesse einfach nicht zusammen. Ohne einheitliche Standards enden wir im Chaos“, sagt Frank Borchardt, Leiter des Fachbereichs „Metering und Digitalisierung“ bei VDE FNN.

Deutschland bleibt beim Smart-Meter-Rollout europäisches Schlusslicht

Während in zahlreichen europäischen Staaten bereits mehr als 90 Prozent der Haushalte mit Smart Metern ausgestattet sind, lag die Quote intelligenter Messsysteme in Deutschland Ende 2025 nach Angaben der Bundesnetzagentur erst bei 5,5 Prozent. VDE FNN weist allerdings darauf hin, dass die Systeme aufgrund ihres deutlich größeren Funktionsumfangs und höherer Cybersicherheitsanforderungen nur eingeschränkt mit den in anderen Ländern eingesetzten Smart Metern vergleichbar sind. Nach Angaben des Verbandes befindet sich der Rollout inzwischen in der Skalierungsphase mit rund zwei Millionen Anschlüssen pro Jahr.

Hintergrund: Intelligente Messsysteme sind mehr als digitale Stromzähler

Ein intelligentes Messsystem (iMSys) besteht nicht nur aus einem digitalen Stromzähler. Herzstück ist das Smart-Meter-Gateway – eine vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizierte Kommunikationseinheit, die Messdaten verschlüsselt überträgt und Erzeuger, Verbraucher, Netzbetreiber und Energielieferanten sicher miteinander verbindet. Damit entsteht eine digitale Infrastruktur, die weit über die reine Erfassung des Stromverbrauchs hinausgeht.

Intelligente Messsysteme schaffen die technische Grundlage für dynamische Stromtarife sowie die sichere Einbindung und – bei entsprechender Ausstattung – netzdienliche Steuerung von Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern, Wärmepumpen und Wallboxen. Sie gelten damit als ein zentraler Baustein für die Digitalisierung der Energiewende und den Betrieb eines Stromsystems mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien.

Im Gegensatz dazu ist der Begriff "Smart Meter Light" bislang weder technisch definiert noch standardisiert. Nach Auffassung von VDE FNN und DKE würde die Einführung einer solchen Paralleltechnologie daher eher neue Komplexität schaffen als den Rollout intelligenter Messsysteme beschleunigen.

Quelle: IWR Online

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