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24.07.2026, 10:34 Uhr

IEA-Halbjahresanalyse 2026: Weltweite Stromnachfrage wächst trotz Energiekrise schneller – Erneuerbare überholen erstmals Kohlestrom

Paris – Die weltweite Stromnachfrage wächst trotz der jüngsten Energiekrise weiter deutlich schneller als in den Jahren vor der Pandemie. Nach der Halbjahresanalyse der Internationalen Energieagentur (IEA) steigt der globale Stromverbrauch 2026 voraussichtlich um 3,6 Prozent und 2027 um weitere 3,8 Prozent. Gleichzeitig werden erneuerbare Energien im laufenden Jahr erstmals mehr Strom erzeugen als Kohlekraftwerke und damit zur weltweit größten Quelle der Stromerzeugung.

Nach der IEA-Einschätzung setzt sich damit der langfristige Trend zur Elektrifizierung von Wirtschaft und Gesellschaft fort. Trotz geopolitischer Spannungen und gestiegener Energiepreise bleibt die Stromnachfrage weltweit auf Wachstumskurs. Gleichzeitig verändert sich allerdings der Strommix grundlegend. Erneuerbare Energien gewinnen weiter an Bedeutung, während fossile Energieträger zunehmend Marktanteile verlieren.

Stromnachfrage wächst weltweit: Elektrifizierung treibt Wachstum – Erneuerbare überholen erstmals Kohlestrom

Der weltweite Stromverbrauch nimmt laut dem IEA-Bericht bis 2027 auf rund 30.700 Terawattstunden (30.700 Mrd. kWh) zu. Wesentliche Treiber sind die fortschreitende Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Wärmeversorgung, der steigende Einsatz von Klimaanlagen sowie das Wachstum energieintensiver Rechenzentren. Mit einem erwarteten Anstieg von 3,6 Prozent im Jahr 2026 wächst die Stromnachfrage deutlich schneller als im langjährigen Durchschnitt.

Parallel dazu setzt sich der Ausbau der erneuerbaren Energien unvermindert fort. Bereits 2026 werden Wind-, Solar-, Wasser- und Bioenergie erstmals mehr Strom erzeugen als Kohlekraftwerke und damit zur weltweit größten Quelle der Stromerzeugung. Bis 2027 steigt ihr Anteil an der weltweiten Stromerzeugung auf rund 37 Prozent. Allein die Solarenergie erhöht ihre Stromproduktion 2026 um rund 610 Terawattstunden (610 Mrd. kWh) und bleibt damit die wichtigste Wachstumstechnologie. In der Europäischen Union fällt nach der IEA-Prognose der Anteil der Kohleverstromung bereits 2026 erstmals seit über 100 Jahren unter zehn Prozent, während der Anteil CO2-armer Stromerzeugung insgesamt bis 2027 auf rund 76 Prozent steigt.

Regionale Unterschiede: China und Indien treiben die Nachfrage – Solarstrom und Batteriespeicher senken in Australien die Strompreise

Den stärksten Nachfragezuwachs erwartet die IEA erneut in Asien. Für China wird 2026 ein Anstieg des Stromverbrauchs von rund 5,5 Prozent prognostiziert, für Indien sogar von etwa 7 Prozent. In der Europäischen Union setzt sich nach den Rückgängen während der Energiekrise die Erholung der Stromnachfrage fort. Für 2026 rechnet die IEA mit einem Plus von rund 2,1 Prozent. In den USA fällt das Nachfragewachstum mit rund 1,8 Prozent dagegen vergleichsweise gering aus. Wachstumstreiber sind dort vor allem Rechenzentren.

Eine besondere Entwicklung zeigt sich in Australien. Während die Großhandelspreise in Europa und Japan infolge höherer Erdgaspreise im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 30 Prozent stiegen, lagen sie in Australien rund 45 Prozent niedriger. Nach Angaben der IEA trugen die hohe Solarstromerzeugung und der rasche Ausbau von Batteriespeichern dazu bei, den Einsatz teurer Gaskraftwerke in den Abendstunden zu verringern und die Großhandelspreise deutlich zu senken. Das Beispiel Australien zeigt, wie ein hoher Anteil erneuerbarer Energien und Batteriespeicher die Auswirkungen steigender Gaspreise auf den Strommarkt begrenzen kann.

Marktstörungen und Strompreise: Volatile Gaspreise treiben die Stromkosten

Die Eskalation im Nahen Osten hat die internationalen Gasmärkte erneut unter erheblichen Preisdruck gesetzt. Im zweiten Quartal 2026 lagen die asiatischen Spotpreise für Flüssigerdgas im Durchschnitt mehr als 65 Prozent über dem Vorkrisenniveau und rund 40 Prozent über dem Vorjahreswert. Auch der europäische TTF-Gaspreis lag deutlich höher – mehr als 50 Prozent über dem Vorkrisenniveau und rund ein Drittel über dem Vorjahreswert.

Die höheren Gaspreise übertrugen sich unmittelbar auf die Strommärkte, insbesondere dort, wo Gaskraftwerke häufig den Großhandelspreis bestimmen (Merit Order). In der Europäischen Union lag der durchschnittliche Strom-Großhandelspreis im ersten Halbjahr 2026 bei rund 105 US-Dollar je Megawattstunde und damit 15 Prozent über dem Vorjahreswert. Für Deutschland weist die IEA einen Anstieg von 17 Prozent aus.

Auch der Ausblick bleibt angespannt: Die von der IEA ausgewerteten Terminmarktpreise deuten für die zweite Jahreshälfte 2026 auf ein weiterhin hohes Preisniveau hin. Für das zweite Halbjahr liegen die Forward-Preise in der EU rund 25 Prozent und für das vierte Quartal etwa 35 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Entwicklung verdeutlicht die anhaltende Preisvolatilität fossil geprägter Strommärkte und ihre Abhängigkeit von internationalen Gas- und LNG-Lieferketten.

Ausblick: Ausbau von Netzen und Flexibilität gewinnt an Bedeutung

Die IEA erwartet auch für 2027 ein anhaltend hohes Wachstum des weltweiten Stromverbrauchs. Mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien rücken Stromnetze, Speicher und Flexibilitätsoptionen zunehmend in den Mittelpunkt der Energiewende. Sie werden zu entscheidenden Voraussetzungen, um die weiter steigende Stromnachfrage und den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien sicher und zuverlässig in die Stromsysteme zu integrieren.

Quelle: IWR Online

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