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24.07.2026, 12:25 Uhr

Neue Strategie: Longi setzt im europäischen Speichermarkt auf integrierte PV- und Batteriespeicherlösungen

Frankfurt – Der chinesische Solarkonzern Longi baut sein Europageschäft um: Neben Solarmodulen will das Unternehmen künftig komplette Hybridsysteme aus Photovoltaik, Batteriespeicher und Steuerungssoftware liefern – aus einer Hand, unter dem neuen Konzept „Longi ONE", gestützt auf ein wachsendes Servicenetz in Europa.

Der Schritt fällt in eine Phase, in der Batteriespeicher in Europa deutlich schneller wachsen als die Wind- und Solarbranche insgesamt: Laut Bloomberg New Energy Finance stieg das Investitionsvolumen in europäische Energiespeicher zwischen 2020 und 2024 um mehr als das 12,5-Fache, während Investitionen in Wind- und Solarprojekte im selben Zeitraum nur um das 1,4-Fache zunahmen. Bis 2029 soll sich die Speicherkapazität in Europa laut Solarpower Europe vervierfachen. Mit dem schnellen Wachstum rückt zugleich die technische Abstimmung zwischen Photovoltaik und Speicher stärker in den Fokus der Branche.

Das RWE-Projekt in Italien

Wie das neue Geschäftsmodell konkret aussieht, zeigt sich in Italien: Longi hat mit dem Energiekonzern RWE eine Vereinbarung über ein Photovoltaik-Speicher-Projekt geschlossen und liefert dort sein Batteriespeichersystem „LongiBank 2.0" mit einer Kapazität von rund 300 MWh sowie die dazugehörigen Solarmodule. Bei der vorgesehenen vierstündigen Speicherdauer entspricht das einer Leistung von rund 75 MW. Das flüssigkeitsgekühlte Lithium-Eisenphosphat-System soll im italienischen Netz vor allem Lastspitzen glätten und bei Systemdienstleistungen helfen. Der Ausbau solcher Speicherkapazitäten ist Teil der Ziele des italienischen Energie- und Klimaplans PNIEC (Piano Nazionale Integrato per l"Energia e il Clima), der bis 2030 unter anderem 11 GW an netzgekoppelten Großspeichern vorsieht.

Longi ONE: Ein Anbieter für Erzeugung, Speicherung, Service und Netzausbau

Mit „Longi ONE" positioniert sich der Konzern als zentraler Ansprechpartner über die gesamte Lebensdauer des Systems – von der Planung und Inbetriebnahme bis zur laufenden Wartung. „Historisch mussten Kunden einzelne Komponenten verschiedener Anbieter zusammenstellen. Auch wenn diese vor Ort verbunden sind, sind sie selten aufeinander abgestimmt – genau diese Lücke schließt Longi ONE", erklärt Dennis She, Vice President von Longi. Neben der integrierten Hardware umfasst Longi ONE auch eine gemeinsame Softwareplattform zur Steuerung und Abstimmung von Photovoltaik-, Speicher- und Leistungselektronik. Diese soll den Anlagenbetrieb optimieren und Wartungsprozesse unterstützen. Die integrierte Systemarchitektur erreicht nach Angaben von Longi Solar einen Wirkungsgrad von 93 Prozent im Lade-Entlade-Zyklus, vier Prozentpunkte mehr, als das Unternehmen für getrennt beschaffte Einzelkomponenten angibt. Damit dieses Modell auch über die üblichen Laufzeiten von mehr als 20 Jahren trägt, hat Longi angekündigt, bis Ende 2028 im Rahmen seines „2815-Plans" 15 regionale Service- und Kompetenzzentren in wichtigen europäischen Märkten aufzubauen – ausgehend von dem bereits in Madrid bestehenden Standort. „Diese Vereinbarung mit RWE ist ein starkes Vertrauenssignal in unsere Technologie. Wir zeigen, dass Solar-plus-Speicher kein Zusatzangebot mehr ist, sondern zur zentralen Grundlage des künftigen Stromnetzes wird", sagt Leon Zhang, Präsident von Longi Europe.

Branchenverband entwickelt eigene Prüfstandards für Hybridprojekte

Parallel zum Marktwachstum arbeitet auch die Branche an einheitlichen Qualitätsstandards. Solarpower Europe hat im Februar 2026 erstmals gemeinsame Leitlinien für die technische Due Diligence bei Hybridprojekten aus Solar und Batteriespeicher veröffentlicht, erarbeitet von mehr als 30 Fachleuten aus dem verbandseigenen Lifecycle Quality Workstream. Ziel ist es, die technische Prüfung solcher Projekte europaweit zu vereinheitlichen und ihre Finanzierbarkeit sowie Risikobewertung über den gesamten Lebenszyklus zu verbessern – von der Machbarkeitsstudie über Beschaffung, Finanzierung, Bau und Inbetriebnahme bis zu Betrieb, Repowering und Stilllegung. Ergänzend veröffentlichte der Verband eine aktualisierte Fassung seiner EPC-Leitlinien mit konkreten technischen Vorgaben für Bau und Betrieb solcher Hybridanlagen. „Hybride Photovoltaik- und Speichersysteme verändern die europäische Energielandschaft, gemeinsame Standards sind für dieses Wachstum unerlässlich", erklärt Wojtek Swietochowski, Vizevorsitzender des Lifecycle Quality Workstreams von Solarpower Europe.

Quelle: IWR Online

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