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28.07.2026, 15:16 Uhr

Wettlauf zwischen Batterie und Brennstoffzelle: Bosch startet Brennstoffzellen-Praxistest im Nutzverkehr

Stuttgart – Im Markt für emissionsfreie Nutzfahrzeuge bestimmen derzeit vor allem batterieelektrische Antriebe den Markthochlauf. Gleichzeitig arbeiten Hersteller und Zulieferer an Brennstoffzellensystemen für Einsatzbereiche, in denen hohe Reichweiten, kurze Betankungszeiten und lange tägliche Fahrleistungen gefragt sind. Bosch setzt auf beide Technologien und startet jetzt in Spanien den ersten Praxistest seines neuen Brennstoffzellensystems im öffentlichen Linienverkehr.

Bosch verfolgt eine technologieoffene Antriebsstrategie und entwickelt sowohl Komponenten und Systeme für batterieelektrische Fahrzeuge als auch Technologien entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Mit dem Pilotprojekt in Madrid will das Unternehmen die Praxistauglichkeit und Marktreife seines neuen Brennstoffzellensystems unter realen Einsatzbedingungen im öffentlichen Personennahverkehr nachweisen.

Brennstoffzelle von Bosch: Erster Kundeneinsatz im Linienverkehr in Madrid mit 1.000 km Reichweite

Vor diesem Hintergrund hat Bosch den ersten Kundentest seines Brennstoffzellensystems Fuel Cell Power Module (FCPM) C190 gestartet. Das System kommt in einem Bus des spanischen Herstellers Irizar zum Einsatz, der von der Busgesellschaft Alsa mehrere Wochen im regulären Linienverkehr in Madrid betrieben wird. Nach umfangreichen Erprobungen und der Homologation soll der Praxiseinsatz die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Systems unter Alltagsbedingungen belegen.

Das Brennstoffzellensystem FCPM C190 basiert auf einem horizontal angeordneten Doppelstack und verfügt über eine Dauerleistung von 190 kW. Nach Angaben von Bosch ermöglicht das verfügbare Wasserstoff-Tankvolumen Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometern bei Betankungszeiten von lediglich zehn bis 15 Minuten. Damit eignet sich das System insbesondere für Stadt-, Regional- und Überlandbusse mit hohen täglichen Fahrleistungen. Ergänzend bietet Bosch mit dem FCPM C100 eine kompaktere Variante für Stadtbusse sowie mit dem FCPM C300 ein leistungsstärkeres System für Reisebusse und schwere Lkw an.

Bosch setzt auf Batterie und Wasserstoff

Mit dem Pilotprojekt erweitert Bosch sein Portfolio für emissionsfreie Nutzfahrzeugantriebe. Auf der batteriebetriebenen Seite entwickelt und produziert das Unternehmen ein breites Spektrum an Komponenten und Systemen für Elektrofahrzeuge. Das Angebot reicht von Elektromotoren, Leistungselektronik und Wechselrichtern über integrierte elektrische Achsantriebe (eAxles) bis hin zu Fahrzeugsteuergeräten, Thermomanagementsystemen und weiteren Komponenten für den elektrischen Antriebsstrang.

Parallel baut Bosch sein Wasserstoffgeschäft entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus. Das Portfolio reicht von PEM-Elektrolyseuren zur Wasserstoffproduktion über Komponenten für Wasserstoff-Verbrennungsmotoren bis hin zu Brennstoffzellensystemen in unterschiedlichen Leistungsklassen für Busse und schwere Nutzfahrzeuge. Mit diesem technologieoffenen Ansatz positioniert sich Bosch als Systemlieferant für die beiden derzeit wichtigsten emissionsfreien Antriebskonzepte im Nutzfahrzeugverkehr.

Batterie versus Brennstoffzelle: Batterieelektrische Antriebe dominieren derzeit den Markthochlauf

Der Markt für emissionsfreie Nutzfahrzeuge wird derzeit vor allem von batterieelektrischen Antrieben geprägt. Sinkende Batteriekosten, steigende Reichweiten und der Ausbau leistungsfähiger Ladeinfrastrukturen verbessern ihre Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich.

Brennstoffzellensysteme gelten dagegen insbesondere für Anwendungen mit hohen Reichweiten, kurzen Betankungszeiten und langen täglichen Einsatzzeiten weiterhin als aussichtsreiche Alternative. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) nimmt der Wettbewerbsdruck auf Brennstoffzellenfahrzeuge jedoch zu. Fortschritte bei Batterietechnologien sowie der Ausbau von Megawatt-Ladesystemen verringern danach den bisherigen Reichweiten- und Betankungsvorteil der Brennstoffzelle zunehmend. Für eine breite Wettbewerbsfähigkeit der Brennstoffzelle seien daher insbesondere niedrigere Kosten für Wasserstoff, Fahrzeuge und Tankinfrastruktur entscheidend.

Quelle: IWR Online

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