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30.07.2026, 13:30 Uhr EU startet Milliarden-Ausschreibung für KI-Gigafabriken – Schnelle Stromversorgung wird zum WettbewerbsfaktorBrüssel – Die EU-Kommission hat die Ausschreibung für den Aufbau von bis zu sieben AI Gigafactories gestartet und will damit Investitionen von mehr als 30 Milliarden Euro in Europas KI-Infrastruktur anstoßen. Für Betreiber großer KI-Rechenzentren ist Zeit inzwischen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Nur wer die benötigte Stromversorgung schnell bereitstellen kann, verschafft sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil im globalen KI-Wettlauf.
Mit dem Aufbau der Gigafabriken verfolgt die EU das Ziel, ihre technologische Souveränität auszubauen und eigene KI-Kapazitäten aufzubauen. Gleichzeitig rückt eine neue Herausforderung in den Vordergrund, die sich bereits in den USA abzeichnet: Während die Halbleiterindustrie ihre Produktionskapazitäten für Hochleistungs-KI-Chips weltweit massiv ausbaut, entwickelt sich die schnelle Bereitstellung großer Strommengen zunehmend zum entscheidenden Standortfaktor für den Betrieb moderner KI-Rechenzentren.
Milliardenprogramm für Europas KI-InfrastrukturMit bis zu zehn Milliarden Euro an EU- und nationalen Fördermitteln sollen mindestens 20 Milliarden Euro private Investitionen mobilisiert werden. Die Ausschreibung richtet sich an industrielle Konsortien oder eigens gegründete Projektgesellschaften (Special Purpose Vehicles). Standorte können sowohl in einem einzelnen Mitgliedstaat als auch grenzüberschreitend realisiert werden.
Die AI Gigafactories sollen Start-ups, Industrie, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Einrichtungen Hochleistungsrechenkapazitäten für das Training, die Weiterentwicklung und den Betrieb modernster KI-Modelle bereitstellen. Je nach Förderkategorie müssen die Projekte mindestens die Rechenleistung der derzeit leistungsstärksten europäischen AI Factory erreichen und diese in einer zweiten Ausbaustufe auf das Drei- beziehungsweise Vierfache steigern.
Dem Ausschreibungsstart ging ein Interessenaufruf voraus, auf den 76 Projektvorschläge für 60 Standorte in 16 Mitgliedstaaten mit einem Investitionsvolumen von mehr als 230 Milliarden Euro eingingen. Die Bewerbungsfrist endet am 12. November 2026. Die Auswahl der Projekte soll Anfang 2027 erfolgen, der Bau noch im selben Jahr beginnen. Spätestens 18 Monate nach Vertragsunterzeichnung sollen die ersten AI Gigafactories den Betrieb aufnehmen.
KI-Boom verändert die Anforderungen an die StromversorgungMit dem Ausbau großer KI-Rechenzentren rückt die Energieversorgung zunehmend in den Mittelpunkt der Standortentscheidung. Im internationalen Wettbewerb entscheidet nicht allein die installierte Kraftwerksleistung, sondern die Fähigkeit eines Stromversorgungssystems, große zusätzliche Strommengen innerhalb kurzer Zeit bereitzustellen. Neben der Stromerzeugung werden deshalb Netzinfrastruktur, Netzanschlüsse, Speicher und dezentrale Versorgungslösungen zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren.
Erfahrungen aus den USA zeigen, dass der Zeitfaktor die Wahl der Energieversorgung maßgeblich beeinflusst. Neue Kernkraftwerke können zwar langfristig große Mengen CO2-armen Strom liefern, ihre Planungs- und Bauzeiten liegen jedoch häufig bei zehn bis fünfzehn Jahren. Auch Small Modular Reactors (SMR) stehen bislang noch nicht im kommerziellen Maßstab zur Verfügung. Kurzfristig kommen deshalb vielfach moderne Gaskraftwerke zum Einsatz, deren Ausbau wiederum durch begrenzte Produktionskapazitäten – insbesondere bei Gasturbinen und Turbinenschaufeln – gebremst wird.
Parallel gewinnen dezentrale Versorgungslösungen an Bedeutung. So hat Bloom Energy gemeinsam mit Oracle die Stromversorgung eines KI-Rechenzentrums innerhalb weniger Monate mit stationären Brennstoffzellensystemen aufgebaut. Solche „Behind-the-Meter"-Lösungen ermöglichen es, große Rechenzentren unabhängig von langwierigen Netzanschlüssen direkt am Standort mit Strom zu versorgen. Mit den nun ausgeschriebenen AI Gigafactories steht Europa vor derselben Herausforderung: Der Aufbau der Rechenzentren dürfte vor allem dort zügig gelingen, wo auch die Energieinfrastruktur mit dem stark wachsenden Leistungsbedarf Schritt halten kann.
Der KI-Wettbewerb wird zum Wettbewerb der StromversorgungssystemeDer Ausbau der AI Gigafactories verdeutlicht einen strukturellen Wandel im internationalen KI-Wettbewerb. Während die Halbleiterindustrie weltweit Milliarden in zusätzliche Produktionskapazitäten für Hochleistungs-KI-Prozessoren investiert und sich die Chipversorgung schrittweise entspannt, entwickelt sich die Energieinfrastruktur zum neuen limitierenden Faktor für den Ausbau großer KI-Rechenzentren. Leistungsfähige Prozessoren allein schaffen noch keine KI-Rechenzentren – sie benötigen innerhalb kürzester Zeit eine gesicherte Stromversorgung.
Entscheidend wird damit zunehmend, welche Länder und Regionen neue KI-Rechenzentren am schnellsten mit Strom versorgen können. Der Wettbewerb um Künstliche Intelligenz wird damit zugleich zu einem Wettbewerb leistungsfähiger Stromversorgungssysteme. Für die Energiebranche entwickelt sich der KI-Boom zu einem neuen Wachstumsmarkt. Gefragt sind künftig nicht einzelne Kraftwerkstechnologien, sondern leistungsfähige Stromversorgungssysteme, die Erzeugung, Netze, Speicher und dezentrale Versorgungslösungen schnell und zuverlässig miteinander verbinden.
Quelle: IWR Online © IWR, 2026 Weitere Meldungen rund um die Stromversorgung
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