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11.09.2026, 09:19 Uhr

Ölpreisschock: Fossile Energien treiben erneut Preise und Inflation - EZB erhöht wieder Zinsen

Münster - Der erneute Preisschub bei fossilen Energieträgern treibt die Inflation im Euroraum deutlich nach oben. Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert und erhöht ihre drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Der Einlagenzins steigt damit auf 2,50 Prozent.

Die Entwicklung zeigt erneut, wie anfällig die Preisstabilität gegenüber Preisschocks bei fossilen Energien ist. Während 2022 vor allem der massive Anstieg der Gaspreise die Inflation beschleunigte, steht beim aktuellen Preisschock der Ölpreis im Vordergrund. Ein struktureller Ausweg liegt in der Transformation von Öl und Gas hin zu Strom aus heimischen erneuerbaren Energien. Sie gewinnt damit auch als Schutz vor importierten Inflations- und geopolitischen Risiken an Bedeutung.

Inflation steigt auf 3,3 Prozent - Energiepreise legen um 14,3 Prozent zu

Die Inflationsrate im Euroraum ist im August nach einer Schnellschätzung von Eurostat auf 3,3 Prozent gestiegen, nach 2,9 Prozent im Juli. Die Energiepreise lagen 14,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ohne Energie betrug die Inflationsrate dagegen 2,2 Prozent.

Als wesentliche Ursache für den anhaltenden Inflationsdruck nennt die EZB in ihrer geldpolitischen Erklärung vom 10. September den Konflikt im Nahen Osten. Zuletzt hatte sich die Lage an der Straße von Hormus erneut verschärft: Die USA zerstörten fünf iranische Öltanker, der Iran griff daraufhin Schiffe in der Region sowie einen US-Stützpunkt in Jordanien an. Die zunehmenden Risiken für die Ölversorgung ließen den Brent-Ölpreis am 9. September wieder über 100 US-Dollar je Barrel steigen. Daneben wirken sich nach Einschätzung der EZB auch die Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine weiterhin auf die Energiepreise aus.

Die EZB erwartet, dass die Inflation länger über ihrem Zielwert von 2 Prozent bleibt. Für 2026 rechnet die Notenbank mit durchschnittlich 3,0 Prozent, für 2027 mit 2,5 Prozent und für 2028 mit 2,1 Prozent.

Parallele zu 2022: Damals trieb vor allem Gas die Inflation

Die Entwicklung erinnert an den Inflationsschub nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Die durchschnittliche Inflation im Euroraum sprang 2022 von 2,6 auf 8,4 Prozent. Die Energiepreise waren nach Angaben der EZB der wichtigste Treiber. Fast die Hälfte des Anstiegs der durchschnittlichen Gesamtinflation im Jahresverlauf 2022 war direkt auf die Energiepreisentwicklung zurückzuführen.

Besonders stark verteuerte sich Erdgas. Zwischen Juli 2021 und der ersten Jahreshälfte 2022 stiegen die europäischen Gaspreise nach EZB-Berechnungen um 145 Prozent, die Ölpreise um 46 Prozent. Die hohen Gaspreise trieben zugleich die Strom-Großhandelspreise. Über höhere Produktions- und Vorleistungskosten breitete sich der Preisdruck anschließend auf weitere Wirtschaftsbereiche aus.

EZB erhöht Zinsen - Sorge vor Zweitrundeneffekten

Der EZB-Rat hat am 10. September 2026 alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der Einlagenzins steigt auf 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz auf 2,65 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz auf 2,90 Prozent.

Mit höheren Zinsen kann die EZB die Preise für Öl und Gas selbst nicht beeinflussen. Entscheidend ist für die Geldpolitik vielmehr, ob sich der fossile Preisschub über Produktionskosten und Verbraucherpreise auf weitere Teile der Wirtschaft überträgt und über höhere Lohnforderungen Zweitrundeneffekte auslöst, die die Inflation längerfristig verfestigen.

IWR: Fossile Energieimporte sind untrennbar mit Preis- und geopolitischen Risiken verbunden - Erneuerbare Energien bieten Inflationsschutz

Der aktuelle Ölpreisschock zeigt erneut, wie geopolitische Konflikte über die internationalen Märkte für fossile Energien auf die europäische Volkswirtschaft durchschlagen. Während 2022 vor allem der Gaspreisschock die Inflation antrieb, steht aktuell der Ölpreis im Mittelpunkt. Die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten überträgt damit Preis- und geopolitische Risiken auf Unternehmen und Verbraucher.

„Die Preistreiber haben einen Namen: fossile Energien. Der beste Inflationsschutz ist die Transformation von Öl und Gas hin zu Strom aus heimischen erneuerbaren Energien“, sagt IWR-Geschäftsführer Dr. Norbert Allnoch.

Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie haben damit neben der klimapolitischen auch eine geopolitische und volkswirtschaftliche Dimension. Je stärker importiertes Öl und Gas durch Strom aus heimischen erneuerbaren Energien ersetzt werden, desto geringer werden die Abhängigkeit von geopolitisch beeinflussten fossilen Energiemärkten und die damit verbundenen Inflationsrisiken.

Quelle: IWR Online

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