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24.09.2026, 09:26 Uhr

UN-Roadmap: Deutschland will durch Abkehr von fossilen Energien milliardenschwere Importkosten senken

Berlin/New York - Deutschland hat bei den Vereinten Nationen in New York einen Fahrplan für die schrittweise Abkehr von Kohle, Öl und Erdgas bis spätestens 2045 vorgelegt. Bundesumweltminister Carsten Schneider präsentierte die sogenannte Roadmap, die den Ausbau heimischer erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung von Verkehr, Wärmeversorgung und Industrie in den Mittelpunkt stellt.

Die Bundesregierung verbindet die Abkehr von fossilen Energien mit einer wirtschaftlichen Transformation: Heimische erneuerbare Energien und die Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie verringern die Abhängigkeit von teuren Energieimporten und stärken zugleich Investitionen und Wertschöpfung in Deutschland.

Fossile Energieimporte: Deutschland zahlte 2024 rund 76 Milliarden Euro

Im Jahr 2024 entfielen noch rund 65 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs auf fossile Brennstoffe. Die Nettoimporte fossiler Energieträger kosteten Deutschland rund 76 Milliarden Euro. Davon entfielen rund 51 Milliarden Euro auf Öl und Mineralölprodukte, 19 Milliarden Euro auf Gas und knapp 5 Milliarden Euro auf Kohle und Kohleprodukte. Deutschland importierte 98 Prozent seines Mineralölbedarfs, 95 Prozent des Erdgases und die gesamte eingesetzte Steinkohle. Braunkohle wurde dagegen vollständig im Inland gewonnen.

Die Bundesregierung verweist darauf, dass die Kosten fossiler Energieimporte seit der Krise rund um den Iran deutlich gestiegen sind. Die Roadmap nennt dazu eine Berechnung der EU-Kommission, wonach die Blockade der Straße von Hormus die fossilen Importkosten der EU um rund 50 Milliarden Euro erhöht hat. Dieser EU-weite Wert lässt sich allerdings nicht unmittelbar auf die deutschen Importkosten übertragen.

Der Fahrplan setzt auf eine schrittweise Verlagerung des Energieverbrauchs von fossilen Brennstoffen auf erneuerbar erzeugten Strom. Elektroautos können den Bedarf an Benzin und Diesel senken, Wärmepumpen Öl- und Gasheizungen ersetzen. In der Industrie sieht die Roadmap insbesondere die Elektrifizierung von Produktionsprozessen und Prozesswärme sowie den Einsatz von Wasserstoff in dafür geeigneten Anwendungen vor.

Für das Klimaschutzprogramm 2026 prognostiziert die Bundesregierung allein im Jahr 2030 Einsparungen von knapp 7 Milliarden Kubikmetern Erdgas und rund 4 Milliarden Litern Benzin. Zu den insgesamt 67 Maßnahmen gehören zusätzliche Ausschreibungen für rund 2.000 Windenergieanlagen an Land mit einer Gesamtleistung von etwa 12 GW sowie die Förderung von Elektroautos und der Elektrifizierung industrieller Prozesswärme. Allein der zusätzliche Windenergieausbau soll nach Regierungsangaben ab 2030 jährlich rund 1 Milliarde Euro an Erdgasimportkosten einsparen.

Erneuerbare Energien: Stromanteil soll bis 2030 auf mindestens 80 Prozent steigen

Der Ausbau erneuerbarer Energien bildet die Grundlage für die Elektrifizierung weiterer Wirtschaftsbereiche. Im Jahr 2025 erzeugten erneuerbare Energien in Deutschland rund 290 TWh Strom und deckten damit etwa 55 Prozent des Bruttostromverbrauchs. Bis 2030 soll ihr Anteil auf mindestens 80 Prozent steigen. Parallel dazu sieht der Fahrplan den Ausbau der Stromnetze und mehr Flexibilität im Stromsystem vor.

Für die Kohleverstromung gilt weiterhin ein gesetzliches Ausstiegsdatum spätestens 2038. Die Bundesregierung prüft laut Roadmap, ob ein früheres Ende bis 2035 möglich ist. Neue geförderte regelbare Kraftwerke sollen wasserstofffähig sein und spätestens 2045 klimaneutral betrieben werden.

Im Verkehrssektor erreichten rein elektrische Pkw im August 2026 einen Anteil von 32,4 Prozent an den Neuzulassungen. In der Wärmeversorgung wurden 2025 rund 300.000 Wärmepumpen verkauft, mehr als Gaszentralheizungen. Die Bundesregierung unterstützt die Umstellung unter anderem mit einkommensabhängigen Förderprogrammen für Elektroautos und klimafreundliche Heizsysteme.

Internationale Roadmap: Deutschland legt als drittes Land einen Fahrplan bei den Vereinten Nationen vor

Deutschland ist nach Frankreich und den Niederlanden das dritte Land, das einen nationalen Fahrplan für die Abkehr von fossilen Energien vorlegt. Mit der Präsentation bei den Vereinten Nationen will die Bundesregierung weitere Staaten dazu bewegen, eigene Strategien für den Übergang von Kohle, Öl und Gas zu klimaneutralen Energiesystemen zu konkretisieren.

Die internationale Initiative geht auf die Weltklimakonferenz COP28 im Jahr 2023 zurück. Dort hatten die Staaten vereinbart, die Abkehr von fossilen Energien in den Energiesystemen voranzutreiben. Im April 2026 berieten 57 Regierungen bei einer von Kolumbien und den Niederlanden geleiteten Konferenz im kolumbianischen Santa Marta über die weitere Umsetzung. Die brasilianische COP30-Präsidentschaft plant für Oktober 2026 die Veröffentlichung eines internationalen Fahrplans. Eine Folgekonferenz soll 2027 unter der Gastgeberrolle von Tuvalu und Irland stattfinden.

Die deutsche Roadmap führt bestehende gesetzliche Ziele, Strategien und Maßnahmen zusammen. Sie enthält damit vor allem eine Darstellung des bereits vorgesehenen Transformationspfads und kein eigenständiges neues nationales Maßnahmenpaket. Ihr internationaler Stellenwert liegt darin, die deutsche Vorgehensweise zur Umsetzung der auf der COP28 vereinbarten Abkehr von fossilen Energien darzulegen.

Quelle: IWR Online

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