|
|
![]() |
|
| Stromtarife.de-Home >> Strom-Meldungen >> IWR-Pressedienst >> Veranstaltungen >> Strom-Tarifrechner >> Jobs | |
25.09.2026, 11:03 Uhr Mittelmeerregion vor Wachstumsschub? Wind- und Solar-Pipeline erreicht 552 GWMünster - Der Ausbau erneuerbarer Energien erhält zunehmend eine grenzüberschreitende Dimension im Süden Europas. Während die Nordsee-Anrainer den Ausbau der Offshore-Windenergie und der gemeinsamen Energieinfrastruktur bereits vorantreiben, rückt mit der Mittelmeerregion eine weitere große länderübergreifende Wachstumsregion für Wind- und Solarenergie in den Fokus.
Nach einer aktuellen Analyse von Global Energy Monitor (GEM) umfasst die Projektpipeline in der von GEM definierten Mittelmeerregion rund 552 GW (552.000 MW) an angekündigten oder in Entwicklung befindlichen großen Wind- und Solarprojekten. Wie viel davon tatsächlich realisiert wird, ist allerdings offen. Die Analyse wurde mit Blick auf die im türkischen Antalya stattfindende UN-Klimakonferenz COP31 veröffentlicht.
Mittelmeerraum: 552 GW Projektpipeline - Schwerpunkt verschiebt sich Richtung SüdenAktuell sind laut der GEM-Studie in der untersuchten Mittelmeerregion 251,6 GW Wind- und Solarleistung in Betrieb, davon 100,9 GW Windenergie und 150,7 GW Solarenergie. Dem steht eine Pipeline von 552 GW an angekündigten oder bereits in Entwicklung befindlichen großen Wind- und Solarprojekten gegenüber. Für 361,3 GW nennt GEM geplante Inbetriebnahmetermine bis Ende 2030. Die zugrunde liegenden Wind- und Solartracker haben den Datenstand Februar 2026.
Die von GEM untersuchte Region geht dabei über die unmittelbaren Mittelmeer-Anrainer hinaus. Sie umfasst elf Länder Südeuropas sowie 13 Länder und Gebiete in Nordafrika und Südwestasien. Dazu zählen unter anderem auch Portugal, Jordanien und die Westsahara.
Beim künftigen Ausbau zeichnet sich nach den GEM-Daten eine stärkere Gewichtung Nordafrikas und Südwestasiens ab. Rund 82,5 Prozent der heute betriebenen Wind- und Solarleistung der untersuchten Region befinden sich in Europa. Von den großen Wind- und Solarprojekten mit geplantem Betriebsstart bis 2030 entfallen dagegen 51 Prozent auf Europa und 49 Prozent auf Südwestasien und Nordafrika. Die Werte sind allerdings nur eingeschränkt direkt vergleichbar: In der Betriebsleistung sind auch dezentrale Solaranlagen enthalten, während GEM bei geplanten Solarprojekten erst Anlagen mit mehr als 20 MW und bei Windprojekten Anlagen ab 10 MW erfasst.
Auch im internationalen Vergleich erreicht die Projektpipeline eine erhebliche Größenordnung. Die 552 GW übertreffen nach GEM-Daten leicht die gesamte geplante Kraftwerksleistung aller Energieträger in den USA von 548,3 GW. Rund zehn Prozent der weltweit geplanten großen Wind- und Solarleistung mit vorgesehenem kommerziellem Betriebsstart bis Ende 2030 befinden sich in der von GEM untersuchten Mittelmeerregion.
Trotz der großen Projektpipeline reicht der bislang absehbare Ausbau nach Einschätzung von GEM nicht aus, um bereits formulierte Ausbauziele zu erreichen. So strebt die TeraMed-Initiative bis 2030 eine installierte erneuerbare Leistung von 1.000 GW in der Mittelmeerregion an. Nach den aktuellen GEM-Daten liegt der Zielerreichungsgrad bei 38 Prozent. Auch beim Zehnjahres-Netzentwicklungsplan von Med-TSO, der drei Szenarien mit unterschiedlichen Anteilen erneuerbarer Energien untersucht, liegt nach den aktuellen Projektionen lediglich das "Inertial"-Szenario auf Kurs.
Spanien und Ägypten bilden Wachstumspole - Realisierung der Projekte bleibt entscheidendAuf europäischer Seite nimmt Spanien eine Schlüsselposition ein. GEM erfasst dort 108,8 GW geplante große Solarleistung und 56,5 GW Windenergie. Spanien liegt damit europaweit bei der Projektpipeline für große Solarprojekte an erster Stelle und bei der Windenergie hinter Großbritannien und Schweden auf Rang drei. Von insgesamt 165,3 GW geplanter Wind- und Solarleistung befinden sich derzeit 8,4 GW beziehungsweise rund fünf Prozent im Bau. Weitere 132 GW befinden sich in der Vorentwicklungsphase. GEM weist darauf hin, dass diese Projekte in der Regel bereits behördliche Genehmigungen oder Finanzierungen erhalten haben und sich nach Einschätzung der Organisation auf Realisierungskurs befinden.
Auf der südlichen Seite des Mittelmeers entwickelt sich Ägypten zu einem zweiten Schwerpunkt. Den bislang installierten rund 6,3 GW Wind- und Solarleistung stehen 94,6 GW in Entwicklung gegenüber. Davon entfallen 46,7 GW auf große Solarprojekte und 47,9 GW auf Windenergie. Für 22,9 GW beziehungsweise rund ein Viertel der Projektpipeline nennt GEM einen geplanten kommerziellen Betriebsstart bis Ende 2030. Rund 37,7 GW der geplanten Leistung stehen im Zusammenhang mit Projekten zur Produktion von grünem Wasserstoff.
Spanien und Ägypten stehen damit zugleich für unterschiedliche Entwicklungspfade. Während Spanien bereits über einen weit entwickelten Wind- und Solarmarkt verfügt, verbindet Ägypten den geplanten Ausbau stärker mit industriellen Anwendungen wie der Produktion von grünem Wasserstoff.
792 Milliarden Dollar Investitionsbedarf - Finanzierung bleibt zentrale HürdeOb aus der großen Projektpipeline tatsächlich neue Erzeugungskapazitäten entstehen, hängt wesentlich von Finanzierung und Genehmigungen ab. GEM schätzt die Investitionskosten für die geplanten großen Wind- und Solarprojekte in der untersuchten Region auf insgesamt rund 792 Milliarden US-Dollar.
Gleichzeitig bestehen erhebliche regionale Unterschiede beim Zugang zu Kapital. GEM verweist hierzu auf Daten der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA), nach denen 2024 rund 137 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 17 Prozent der weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien auf Europa entfielen, gegenüber 21 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 2,6 Prozent in der von GEM als Südwestasien und Nordafrika zusammengefassten Region.
Stromnetze zwischen Europa und Nordafrika - Ausbau der Interkonnektoren wird zum SchlüsselfaktorNeben neuen Erzeugungskapazitäten erfordert eine stärkere energiewirtschaftliche Integration der Mittelmeerregion auch den Ausbau der grenzüberschreitenden Stromnetze. GEM bewertet die bestehende Übertragungs- und Interkonnektorinfrastruktur in der Region als unzureichend und sieht darin neben Finanzierung und Genehmigungen eine zentrale Herausforderung für den weiteren Wind- und Solarausbau.
Zwischen Europa und Nordafrika bestehen bereits seit Jahrzehnten Stromverbindungen zwischen Spanien und Marokko. Zwei 400-kV-Verbindungen durch die Straße von Gibraltar wurden 1997 und 2006 in Betrieb genommen und verfügen zusammen über eine technische Kapazität von 1.400 MW. Die kommerziell nutzbare Austauschkapazität liegt nach aktuellen Angaben des spanischen Netzbetreibers Red Eléctrica bei 900 MW von Spanien nach Marokko und 600 MW in umgekehrter Richtung. Eine dritte Verbindung mit weiteren 700 MW wurde 2019 zwischen beiden Ländern vereinbart, ist bislang jedoch nicht in Betrieb.
Eine weitere Verbindung zwischen Europa und Nordafrika soll mit ELMED im zentralen Mittelmeer entstehen. Das von den Netzbetreibern Terna und STEG entwickelte Projekt soll Tunesien über eine rund 220 km lange HGÜ-Verbindung mit Sizilien verbinden. Die geplante Übertragungsleistung beträgt 600 MW. Die EU unterstützt das Projekt über die Connecting Europe Facility mit rund 307,6 Mio. Euro, die Weltbank stellte 2023 weitere 268,4 Mio. US-Dollar Finanzierung bereit.
Im Juni 2026 haben Terna und STEG zudem Hitachi Energy mit dem Bau der Konverterstationen in Italien und Tunesien beauftragt. Nach Angaben der Weltbank soll ELMED voraussichtlich bis 2028 in Betrieb gehen. Die Verbindung soll Stromhandel in beide Richtungen ermöglichen und insbesondere die Integration zusätzlicher erneuerbarer Stromerzeugung unterstützen.
Die bestehenden und geplanten Interkonnektoren zeigen zugleich die Größenordnung der infrastrukturellen Aufgabe. Einer Wind- und Solarprojektpipeline von 552 GW steht zwischen Europa und Nordafrika bislang eine vergleichsweise begrenzte grenzüberschreitende Übertragungsinfrastruktur gegenüber. Der Ausbau der Erzeugungsleistung und der grenzüberschreitenden Stromnetze muss daher zunehmend zusammen betrachtet werden.
Damit entscheidet sich die Bedeutung der 552-GW-Projektpipeline nicht allein an der Zahl angekündigter Wind- und Solarprojekte. Entscheidend wird sein, welcher Teil davon finanziert, genehmigt und tatsächlich gebaut wird und ob parallel die erforderlichen Stromnetze und grenzüberschreitenden Verbindungen entstehen. Die COP31 in Antalya rückt damit neben den Ausbauzielen vor allem deren praktische Umsetzung in den Mittelpunkt.
Quelle: IWR Online © IWR, 2026 Mehr Nachrichten und Infos aus der Regenerativen Energiewirtschaft
| |
|
© IWR Twittern zurück |
|
UKA Umweltgerechte Kraftanlagen GmbH & Co. KG sucht:
Teamlead Payables Management (m/w/d)
UKA Umweltgerechte Kraftanlagen GmbH & Co. KG sucht:
Projektmanager Sell Side M&A / Transaktionen – Erneuerbare Energien (m/w/d)
Perigus Energy erstmals mit europäischem Onshore-Portfolio auf der WindEnergy Hamburg
Deutsche WindGuard und Sinoma schließen Vertrag für Windkanaltests