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12.10.2026, 15:44 Uhr VW zwischen Verbrenner und E-Auto unter Druck: Weltweiter Absatz sinkt um 9 Prozent - Europa und Südamerika wachsen gegen den TrendWolfsburg - Der Volkswagen-Konzern hat in den ersten neun Monaten 2026 weltweit 6,01 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, 9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Während die Auslieferungen in China um 30,2 Prozent einbrachen und in Nordamerika um 4 Prozent zurückgingen, legte der Konzern in Europa um 1,7 Prozent und in Südamerika um 4,3 Prozent zu.
Die Entwicklung verdeutlicht die unterschiedlichen technologischen und marktpolitischen Herausforderungen für Volkswagen. In China trifft der Konzern auf einen rückläufigen Verbrennermarkt und einen intensiven Wettbewerb mit heimischen Elektroautoherstellern. In den USA beeinflussen veränderte Förderbedingungen und Importzölle die Absatzentwicklung, während Europa insbesondere bei Elektroautos wächst. Volkswagen muss den technologischen Wandel damit unter zunehmend unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bewältigen.
Rückgangsmärkte: China mit 30 Prozent Absatzminus - USA unter Druck durch Förderpolitik und ZölleDer weltweite Absatzrückgang hat sich im Jahresverlauf verschärft. Im dritten Quartal 2026 sanken die Auslieferungen des Volkswagen-Konzerns um 14,3 Prozent auf rund 1,89 Millionen Fahrzeuge. Den größten Einfluss hatte China: Dort gingen die Auslieferungen in den ersten neun Monaten um 30,2 Prozent auf 1,38 Millionen Fahrzeuge zurück, im dritten Quartal sogar um 38,5 Prozent. Der absolute Rückgang in China um rund 595.000 Fahrzeuge entspricht nahezu dem gesamten weltweiten Absatzminus des Konzerns von rund 593.000 Fahrzeugen.
Volkswagen verweist auf den rückläufigen chinesischen Gesamtmarkt, insbesondere bei Verbrennern. Die Auslieferungen reiner Elektroautos (BEV) in China sanken in den ersten neun Monaten um 42,5 Prozent auf 48.900 Fahrzeuge, im dritten Quartal um 30,1 Prozent. Mit lokal entwickelten Modellen will Volkswagen gegensteuern. Bei allen elektrifizierten Fahrzeugen einschließlich reiner Elektroautos, Plug-in-Hybriden und Fahrzeugen mit Range Extender meldete der Konzern im dritten Quartal dagegen ein Plus von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Auch Nordamerika entwickelte sich rückläufig. Die Auslieferungen sanken um 4 Prozent auf 680.200 Fahrzeuge, in den USA um 7,8 Prozent. Besonders stark war der Einbruch bei vollelektrischen Fahrzeugen: In den USA gingen die BEV-Auslieferungen in den ersten neun Monaten um 78,4 Prozent auf 14.900 Fahrzeuge zurück, im dritten Quartal sogar um 86,4 Prozent. Volkswagen nennt den Wegfall staatlicher Kaufanreize und Importzölle als wesentliche Belastungsfaktoren. Beim Vorjahresvergleich ist zudem zu berücksichtigen, dass Elektroautokäufe vor dem Auslaufen der US-Steuergutschrift Ende September 2025 teilweise vorgezogen worden waren.
Rückläufig entwickelten sich auch die Auslieferungen im übrigen Asien-Pazifik-Raum mit einem Minus von 9,1 Prozent auf 212.500 Fahrzeuge sowie in der Region Nahost/Afrika mit einem Rückgang um 5,7 Prozent auf 281.000 Fahrzeuge.
Wachstumsmärkte: Europa und Südamerika legen zu - Elektroautos treiben Nachfrage in EuropaIn Europa steigerte Volkswagen die Auslieferungen über alle Antriebsarten um 1,7 Prozent auf 2,96 Millionen Fahrzeuge. Besonders deutlich wuchs das Geschäft mit vollelektrischen Fahrzeugen: Die BEV-Auslieferungen stiegen um 12,1 Prozent auf 586.100 Fahrzeuge, im dritten Quartal um 19,6 Prozent. Der Elektroautoanteil an den europäischen Konzernauslieferungen erhöhte sich von 18 auf 20 Prozent.
Als Gründe für die steigende Nachfrage nennt Volkswagen hohe Kraftstoffpreise und das größere Angebot elektrischer Einstiegsmodelle. In Deutschland kommt eine neue staatliche Förderung hinzu, die rückwirkend für Neuzulassungen seit Januar 2026 gilt. Anträge können seit Mai gestellt werden. Für reine Elektroautos sind je nach Einkommen und Familiengröße Zuschüsse von bis zu 6.000 Euro vorgesehen, für förderfähige Plug-in-Hybride bis zu 4.500 Euro. Welchen Anteil die Förderung am Absatzwachstum von Volkswagen hat, ist nicht beziffert.
Für die neue Electric Urban Car Family mit VW ID. Polo, ID. Cross, Škoda Epiq und CUPRA Raval liegen nach Konzernangaben bereits knapp 150.000 Bestellungen vor. Im dritten Quartal stiegen die europäischen BEV-Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahresquartal um mehr als 60 Prozent. Der BEV-Auftragsbestand hat sich seit Ende 2025 verdoppelt. Rund 40 Prozent aller offenen Fahrzeugbestellungen in Europa entfallen nach Konzernangaben inzwischen auf vollelektrische Modelle.
In Südamerika legten die Auslieferungen um 4,3 Prozent auf 502.500 Fahrzeuge zu, in Brasilien um 12,3 Prozent. Die Zuwächse in Europa und Südamerika konnten die Rückgänge in anderen Regionen allerdings nicht ausgleichen. Weltweit sanken auch die BEV-Auslieferungen um 5,4 Prozent auf 678.700 Fahrzeuge.
IWR: Technologischer Wandel und politische Rahmenbedingungen fragmentieren die Märkte der AutomobilindustrieDie Entwicklung bei Volkswagen verdeutlicht eine grundlegende Herausforderung für international tätige Automobilhersteller. „Der technische Übergang vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität verläuft in den wichtigsten Weltregionen unterschiedlich schnell. Gleichzeitig beeinflussen staatliche Förderprogramme, Importzölle und industriepolitische Strategien die Wettbewerbsbedingungen. Das führt zu einer zunehmenden Fragmentierung der internationalen Automobilmärkte“, so IWR-Geschäftsführer Dr. Norbert Allnoch.
Für Volkswagen bedeutet diese Marktfragmentierung, dass der Konzern das bestehende Verbrennergeschäft und die Transformation zur Elektromobilität parallel bewältigen muss. Hinzu kommt die hohe Dynamik der Marktveränderungen: Förderprogramme werden eingeführt oder beendet, Handelsbedingungen ändern sich und neue Antriebstechnologien gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig verkürzen sich die Entwicklungszyklen. Die Hersteller müssen ihre Modell-, Entwicklungs- und Produktionsstrategien damit in immer kürzeren Abständen an zunehmend unterschiedliche regionale Anforderungen anpassen. Das erhöht die Komplexität und den Entwicklungsaufwand für die internationale Automobilindustrie.
Quelle: IWR Online © IWR, 2026 Weitere Meldungen rund um die Elektromobilität
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